: Politikdidaktik und Vermittlung

Politikdidaktik und Vermittlung

Zum Vermittlungsbegriff in Fachwissenschaft und Fachdidaktik der politischen Bildung und Konsequenzen für die Unterrichtspraxis unter besonderer Berücksichtigung der Situation des Sozialkundeunterrichts an Hauptschulen i

EUB. Erziehung – Unterricht – Bildung, Band 66

Hamburg 1998, 220 Seiten
ISBN 978-3-86064-786-8 (Print)

Fachdidaktik, Hauptschule, Pädagogik, Politikdidaktik, Politische Bildung, Sozialkunde, Sozialkundeunterricht, Unterrichtspraxis, Vermittlung, Vermittlungsprobleme

Zum Inhalt

Das Buch beschäftigt sich mit einem zentralen didaktischen Terminus, dem Begriff der „Vermittlung“. Seine Verwendung in fachwissenschaftlichen und didaktischen Kontexten ist jedoch sehr unterschiedlich und unklar, so dass eine ausführliche Begriffsanalyse zunächst implizierte „Vermittlungsmodelle“ bzw. „Vermittlungsparadigma“ aufzeigt, die sich als didaktische Folie für die Praxis des Sozialkundeunterrichts nutzen lassen.

Die Verbindung zur Praxis stellt der Begriff der „Vermittlungsprobleme“ her, die häufig im Zusammenhang des Theorie-Praxis-Bezuges der politischen Bildung konstatiert werden. Deshalb unternimmt es der Autor, die Vermittlungsprobleme der politischen Bildung umfassend und systematisch in Form einer Bestandsaufnahme zu ermitteln. Dabei werden die binnenwissenschaftlichen Vermittlungsprobleme ebenso in den Blick genommen wie die Zuordnungsprobleme zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik, zwischen einzelnen fachdidaktischen Bezugsdisziplinen und natürlich zwischen fachdidaktischer Theoriebildung und Unterrichtspraxis. Dabei leistet die Studie, die sich als fachdidaktische Arbeit im Schnittpunkt von Erziehungswissenschaft und Politikwissenschaft versteht, einen Beitrag zur zuletzt intensiv geführten Diskussion um das Verhältnis von Politikwissenschaft und ihrer Fachdidaktik sowie zur gerade für Unterrichtspraktiker relevanten Diskussion um das Verhältnis von Allgemeiner Didaktik und Fachdidaktik des politischen Unterrichts.

Dabei wird für die Darstellung der unterrichtlichen Vermittlungsprobleme eine schulartspezifische Sichtweise, nämlich auf die Hauptschule, vorgenommen, und zwar aus zweierlei Gründen: Zum einen kann die Hauptschule durchaus als „Stiefkind“ fachdidaktischer Forschung im Bereich des Sozialkundeunterrichts angesehen werden, da es kaum entsprechende Studien gibt, die über die Konstatierung der allseits bekannten „restriktiven Rahmenbedingungen“ hinausgehen. Der zweite Grund liegt darin, dass gerade die Schulart Hauptschule und ihre spezifischen Bedingungen geeignet sind, Vermittlung als zentrales didaktisches Anliegen aufzufassen und sich an dieser Schulart Vermittlungsprobleme in besonders augenfälliger Weise manifestieren.

Im letzen Teil der Arbeit untersucht der Autor, welche Konsequenzen aus der Analyse von Vermittlung und Vermittlungsproblemen für die Praxis des politischen Unterrichts zu ziehen sind. Damit möchte er ganz bewusst dem allseits beklagten Befund entgegentreten, gerade die Fachdidaktik des politischen Unterrichts sei „theorielastig“ und „praxisfern“. Mit Hilfe der Vermittlungsmodelle soll es dem Praktiker möglich sein, das Vermittlungsparadigma didaktisch perspektivenreich zu entwickeln und praxisrelevant umzusetzen. Damit erfüllt die Arbeit sowohl die Forderung nach „Professionalisierung von Fachdidaktik via Grundlagenforschung“ im Bereich der Politikdidaktik als auch das wissenschaftstheoretische Postulat, unterrichtliche Praxis theoriegeleitet zu analysieren und zu modifizieren.

Schließlich plädiert der Autor für einen Pradigmenwechsel in Forschung und Unterrichtspraxis: Nicht der weitgehende Verzicht auf Wissensvermittlung zugungsten zentraler sozialkundlicher Ziele wie selbständigem politischen Denken und Handeln scheint heute ein praktikabler Weg hauptschulspezifischer Politikvermittlung zu sein, sondern vielmehr eine didaktische Synthese von Wissensvermittlung und Selbstvermittlung, also „Wissensvermittlung durch Selbstvermittlung“.



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