: Väter-Dasein

Väter-Dasein

Die Erfahrungen von Vätern als Versorger ihrer Säuglinge und Kleinkinder im Wechselspiel von Rollenzuschreibung und Übertragung

Studien zur Familienforschung, Band 6

Hamburg 1998, 214 Seiten
ISBN 978-3-86064-683-0 (Print)

Entwicklungspsychologie, Gender Studies, Psychologie, Rollenveränderung, Väterforschung

Zum Inhalt

Väter sind meistens nicht da - so könnte eine Kurzcharakterisierung der Vaterrolle im „Spätpatriarchat“ lauten. Wie aber ist es, wenn Väter da sind? Väter, die sich um ihre kleinen Kinder kümmern, die Erziehungsurlaub nehmen oder andere Wege finden, um viel Zeit mit ihren Kindern und Babies zu verbringen und Partnerinnen haben, die erwerbstätig sein wollen oder müssen - um diese geht es in dieser Studie. Die Ergebnisse benennen eine Palette von Erlebnisbereichen, wie die Reaktion am Arbeitsplatz der Männer (Ist man noch ein „ganzer Mann“, wenn man nur halbtags arbeitet?) ebenso umfassend, wie die Erfahrungen auf dem Spielplatz oder im Umgang mit der eigenen Herkunftsfamilie.

Durch die tiefenhermeneutische Auswertung narrativer Interviews und die eindrucksvoll klare Einführung in das Thema mit einem Exkurs zu den Ergebnissen der „neuen Säuglingsforschung“ und einem Überblick über aktuelle feministische Ansätze in der „Gender-Forschung“, ist dieses Buch eine bereichernde Lektüre für Leser und Leserinnen mit wissenschaftlichem und/oder allgemeinpsychologischem Interesse. Der psychoanalytische Blickwinkel (was sagen die interviewten Väter „zwischen den Zeilen“?) verleiht dieser Arbeit den nötigen Biss und macht das Buch anregend für beide Geschlechter.

Britta Reiche ist Diplompsychologin und hat in ihrer therapeutischen Praxis genauso wie im Privatleben die Erfahrung gemacht, dass die verinnerlichten Rollenzuschreibungen das Leben weit mehr prägen, sobald aus Erwachsenen Eltern werden und sich verdrängte Rollenaufträge wiederholen. Sie unterrichtete sechs Jahre lang Entwicklungspsychologie an der Fachhochschule für Sozialpädagogik in Hamburg und entwickelte einen kritischen Blick für antiquierte theoretische Annahmen über eine einseitige Zuständigkeit von Müttern für ihre Kinder, die das Geschlechterverhältnis außer acht lassen. Das Werk versteht sich als ein Beitrag zu der im deutschen Sprachraum noch jungen Forschungsrichtung der „Gender Studies“.



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