: Wertorientierungen in der bürgerlichen Mädchenerziehung am Beispiel der illustrierten Mädchenzeitung

Wertorientierungen in der bürgerlichen Mädchenerziehung am Beispiel der illustrierten Mädchenzeitung "Das Kränzchen" 1888/89-1933/34

Studien zur Kindheits- und Jugendforschung, Band 15

Hamburg 1997, 374 Seiten
ISBN 978-3-86064-664-9 (Print)

bürgerliche Mädchenerziehung, Das Kränzchen, Emanzipation, Frauenbewegung, Frauenbild, Frauenstudium, illustrierte Mädchenzeitung, Mädchenbild, Psychologie

Zum Inhalt

Das „Kränzchen“, eine illustrierte Mädchenzeitung, erschien von 1888 bis 1934 in den gesamten deutschsprachigen Gebieten. Während dieses unverhältnismäßig langen Zeitraums, der politisch und sozial erhebliche Veränderungen brachte, blieb das Konzept des Periodikums relativ konstant, was gleichermaßen hindeutet auf Konstanz der primären Interessenlagen und Werthaltungen des bildungsbürgerlichen Abonnentenkreises. Die lange Erscheinungszeit lässt darauf schließen, dass das Periodikum ein Bedürfnis erfüllte und den Leserinnen zum attraktiven Begleiter durch die Jugendjahre wurde.

Was erscheint nun an dem „Kränzchen“ so besonders interessant? Die Töchter der durch ‘Bildung‘ bestimmten bürgerlichen Schicht durchlaufen gerade in den Jahrzehnten, in denen das „Kränzchen“ erscheint, einen beachtlichen Emanzipationsprozess. Ein Blick auf die Themenbereiche Erziehung, weibliche Bildung, Arbeit, Sport und Mode und nicht zuletzt auf die Lebensbilder beruflich erfolgreicher Frauen lässt die bewusste Tendenz zur Emanzipation der Frau erkennen. Diese Texte stellen einen beachtlichen Teil des Inhalts. Der ethische Wert der Artikel liegt u.a. in der Betonung der Wichtigkeit der weiblichen Fähigkeiten im emotionalen und sozialen Bereich. Das Periodikum hält durchgehend an der Betonung der weiblichen Rolle fest, allerdings immer unter Einbeziehung des Aspektes der geistigen und ökonomischen Selbständigkeit, der Teilhabe am beruflichen und öffentlichen Leben. Die bürgerliche Frauenbewegung erfährt bis 1933 eine eindeutige Widerspiegelung. Für diese - wie für das Periodikum - bedeutete Emanzipation die Auflösung persönlicher Beschränkungen, nicht aber die Negierung sittlicher Pflichten.

Der Bezugspunkt der Arbeit ist das vom „Kränzchen“ vorgestellte Mädchenbild in einer Zeit, in welcher der Wandel vom bürgerlichen Haustöchterchen zur berufstätigen jungen Frau zunächst nur zögerlich, später jedoch zunehmend gesellschaftlich akzeptiert wird. Dieses Mädchenbild wird vom „Kränzchen“ in der ständigen Vorstellung weiblicher Verhaltensweisen und gleichzeitig deutlich progressiv in der Forderung nach Bewährung in einem bürgerlichen Beruf präsentiert. Das „Kränzchen“ beleuchtet in seinen Artikeln beide Seiten dieses Bildes. Es gewährt damit in einer Fülle wie kaum ein anderes Mädchenbuch tiefreichende Einblicke in die Erziehungsgeschichte der Töchter des Bürgertums und in die Struktur von Wirklichkeit des bürgerlichen Mädchenlebens.



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