: Mentales Multiplizieren: Modalitätsspezifische Prozesse im Arbeitsgedächtnis?

Mentales Multiplizieren: Modalitätsspezifische Prozesse im Arbeitsgedächtnis?

Studienreihe psychologische Forschungsergebnisse, Band 18

Hamburg 1997, 136 Seiten
ISBN 978-3-86064-549-9 (Print)

Arbeitsgedächtnis, Instruktionspsychologie, Interferenz, kognitiv, phonologische Schleife, Psychologie, Verarbeitungsprozesse bei der Multiplikation, visuell-räumlicher Skizzenblock, zentrale Exekutive

Zum Inhalt

In diesem Buch werden kurzzeitige Verarbeitungsprozesse beim mentalen Multiplizieren von Erwachsenen beleuchtet. Das zentrale Untersuchungsziel richtete sich auf die relative Bedeutung der unterschiedlichen Subsysteme des Arbeitsgedächtnisses (phonologische Schleife, visuell-räumlicher Skizzenblock und zentrale Exekutive).

In einer Reihe von vier Experimenten wurde die Methode selektiver Interferenz genutzt. Bei dieser Untersuchungsmethode haben die Versuchspersonen neben dem Lösen der eigentlichen Aufgabe (mentale Multiplikation) eine interferierende Zweitaufgabe zu bearbeiten. Die Zweitaufgaben wurden modalitätsspezifisch variiert (phonologische Interferenz, visuell-räumliche Interferenz, zentral-exekutive Interferenz).

Für das Lösen sehr leichter Multiplikationsaufgaben (z.B. 2x4 =) konnte keine Beteiligung phonologischer oder visuell-räumlicher Verarbeitungsprozesse nachgewiesen werden. Der reine Abruf von arithmetischen Faktenwissen beansprucht den Ergebnissen zufolge nur Prozesse der zentralen Exekutiven. Bei der mentalen Lösung schwerer Multiplikationsaufgaben (z.B. 9x17 = ) sind neben dem Wissensabruf noch weitere Verarbeitungsschritte notwendig. Die Aufgabe muss zerlegt werden (z.B. 9x10 = , 9x7 = ), die Zwischenergebnisse müssen abgerufen und gespeichert und schließlich addiert werden (z.B. 90+63 = 153). Diese komplexe Arbeitsgedächtnisanforderung wird auch mittels zentral-exekutiver Prozesse bearbeitet.

Es konnte aber darüber hinaus auch eine Beteiligung phonologischer Prozesse bei diesen Verarbeitungsmechanismen aufgezeigt werden. Interindividuelle Differenzen in der Bevorzugung einer Verarbeitungsmodalität konnten nicht bestätigt werden. Die Arbeit ist ein wesentlicher Baustein zum Verständnis mentaler Prozesse bei alltagsnahen Aufgaben wie dem Kopfrechnen und dient somit unter anderem der Aufklärung von Bedingungen des flüssigen Rechnens.



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