: Englisch und Kymrisch in Wales

Englisch und Kymrisch in Wales

Geschichte der Sprachsituation und Sprachpolitik

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 17

Hamburg 1997, 328 Seiten
ISBN 978-3-86064-472-0 (Print)

Englisch, keltische Sprache, Kulturnationalismus, Kymrisch, Minderheitensprache, Sprachpolitik, Sprachwissenschaft, Wales, Walisisch

Zum Inhalt

Diese Monographie legt dar, wie es zur Entwicklung der gegenwärtigen Sprachsituation in Wales kam, in der Englisch und Kymrisch koexistieren. Das Kymrische, Muttersprache von einem Fünftel der Bevölkerung in Wales, gilt bis heute als Nationalsymbol der Waliser. Seine Verwendung in Bildungswesen und Massenmedien, eine weitgespannte moderne Literatur sowie blühende Volkskultur zeugen von der Vitalität der Sprache. Die Mehrheit der Bevölkerung von Wales verwendet jedoch das Englische, das mit der Ankunft der ersten Germanen auf den britischen Inseln begann, die einheimischen keltischen Sprachen zu verdrängen. Nach einer kurzen theoretischen Einführung, die sich hauptsächlich der Erläuterung der Begriffe Sprachsituation und Sprachpolitik widmet, werden jene Faktoren und sprachpolitischen Maßnahmen ergründet, die die Geschichte der beiden Sprachen dort beeinflussten. Im Anschluss daran wird die gegenwärtige Sprachsituation beschrieben.

Es wird dargestellt, wie das Englische durch die anglonormannische Eroberung in Wales eingeführt wurde und nach und nach in die wichtigen gesellschaftlichen Bereiche der Administration, des Bildungswesens und später der Massenmedien eindrang. Dies ging einher mit der schrittweisen Anglisierung des einheimischen Adels und später des Bürgertums. Besonderes Augenmerk wird auf die Industrialisierung von Südwales im 19. Jahrhundert gerichtet, die die starke geographische Ausbreitung des Englischen ins 20. Jahrhundert einleitete.

Parallel dazu zeigt die Autorin auf, warum das Kymrische trotz der sehr frühen Eroberung von Wales durch England und trotz repressiver sprachpolitischer Maßnahmen bis ins 20. Jahrhundert überlebt hat und gegenwärtig sogar an Popularität zu gewinnen scheint. Die Basis für dieses erstaunliche Phänomen wurde mit der Förderung der klassischen Dichtung durch den einheimischen Adel und der von Elisabeth I 1562 verordneten Übersetzung der Bibel in das Kymrische gelegt. Auf der Grundlage des so fixierten Standards entwickelte sich vom 18. Jahrhundert an eine reichhaltige religiöse Literatur und Kultur. Das Kymrische wurde so für viele Waliser zum Symbol für Religiösität und nationaler Identität. Dies fand im 20. Jahrhundert seinen Ausdruck in der Entstehung einer Vielzahl von kulturnationalistischen Organisationen. Ihnen ist zu verdanken, dass sich das Tempo des Sprachwechsels vom Kymrischen zum Englischen seit den 70er Jahren stark verlangsamt hat, ja dass in den unteren Altersgruppen sogar ein leichter Anstieg der Kymrischsprecher zu verzeichnen ist. Erst das nächste Jahrtausend wird jedoch zeigen, ob sich die Minderheitensprache gegen ihre mächtige Nachbarin durchsetzen kann.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben