: Die britische Iranpolitik im Zweiten Weltkrieg und der Ausbruch des Kalten Krieges

Die britische Iranpolitik im Zweiten Weltkrieg und der Ausbruch des Kalten Krieges

Zwei Bände

Studien zur Zeitgeschichte, Band 6

Hamburg 1996, 800 Seiten
ISBN 978-3-86064-406-5 (Print)

britische Außenpolitik, Dreimächtevertrag, Erdöl, Geschichtswissenschaft, Großbritannien, Iran, Iranfrage, Iranpolitik, Konzessionsvergabe, UNO

Zum Inhalt

Die vorliegende Untersuchung, die im wesentlichen auf größtenteils unveröffentlichten britischen Quellen sowie amerikanischen Dokumenten basiert, befasst sich mit der Frage, inwieweit die unterschiedlichen Zielsetzungen Londons, Moskaus und Washingtons im Iran, der 1941 von britischen und sowjetischen Truppen wegen seiner wirtschaftlichen und militärischen Bedeutung besetzt worden war, zum Ausbruch des Kalten Krieges beigetragen haben.

Die Besetzung Irans war erst durch den deutschen Überfall auf die UdSSR möglich geworden. Nach der völkerrechtswidrigen Invasion kontrollierte die UdSSR den Norden Irans, während England den Süden des Landes mit den Ölgebieten und der größten Raffinerie der Welt, Abadan, beherrschte. Die Anwesenheit der Besatzungstruppen wurde am 29.1.1942 durch einen Vertrag zwischen London, Moskau und Teheran legalisiert, indem sich London und Moskau zum Abzug ihrer Streitkräfte bis spätestens sechs Monate nach Kriegsende verpflichteten.

Als die Sowjets 1944 versuchten, eine Ölkonzession für ihre Zone zu erhalten, wurde dies im Dezember 1944 vom iranischen Parlament durch ein allgemeines Konzessionsverbot für die Dauer des Krieges abgelehnt. Um Teheran zu einer Konzessionsvergabe zu zwingen, förderte Moskau nun die separatistischen Bewegungen in Kurdistan und Aserbaidschan, außerdem weigerte sich die sowjetische Regierung, ihre Truppen zum vereinbarten Termin (2.3.1946) abzuziehen.Die Verletzung des Dreimächtevertrages von 1942 durch diese Maßnahmen machte die „Iranfrage“ zum ersten Streitfall, der in der UNO verhandelt wurde. Nachdem Teheran der Gründung einer gemeinsamen iranisch-sowjetischen Ölgesellschaft für die Nordprovinzen zugestimmt hatte, wurden die russischen Truppen im Mai 1946 abgezogen. Da die Ratifizierung des Ölabkommens schließlich aber vom iranischen Parlament abgelehnt wurde, blieb der Versuch Moskaus, ein Stück vom iranischen „Ölkuchen“ zu erhalten, erfolglos.

Im Gegensatz zur Politik Moskaus in Mittel- und Osteuropa versuchte Stalin im Iran nicht primär, den sowjetischen Einflussbereich zu vergrößern. Seine Iranpolitik basierte nicht auf dem immer wieder genannten zaristischen bzw. kommunistischen Expansionsdrang, sondern auf dem Streben, mit Hilfe einer Ölkonzession den wirtschaftlichen Wiederaufbau der zerstörten UdSSR zu fördern. Da das sowjetische Vorgehen im Iran von London und Washington dennoch als expansionistisch angesehen wurde und den Willen zur Eindämmung des Kommunismus, der sich 1947 in der Truman-Doktrin manifestierte, maßgeblich beeinflusste, trug die Iranfrage nicht unerheblich zum Ausbruch des Kalten Krieges bei.



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