: Alterssicherung, demographischer Wandel und intergenerationelle Gerechtigkeit

Alterssicherung, demographischer Wandel und intergenerationelle Gerechtigkeit

Eine theoretische Untersuchung

Schriftenreihe volkswirtschaftliche Forschungsergebnisse, Band 27

Hamburg 1995, 340 Seiten
ISBN 978-3-86064-338-9 (Print)

Volkswirtschaftslehre

Zum Inhalt

Diese Arbeit besteht aus zwei Teilen: Während der erste Teil, Kapitel 1-3, im wesentlichen eine Auseinandersetzung mit der themenrelevanten Literatur darstellt, erfolgt im zweiten, Kapitel 4 und 5, eine eigene modelltheoretische Analyse.

In Kapital 1 werden zunächst die drei grundlegenden Finanzierungsverfahren -das Kapitaldeckungsverfahren, das Umlageverfahren mit zeitlich konstantem Beitragssatz und das Umlageverfahren mit zeitlich konstantem Renteniveau - erläutert. Auf der Grundlage eines Modells zweier sich überlappender Generationen wird dann analysiert, wie sich Veränderungen der Erwerbsquote und der Nettoreproduktionsrate innerhalb dieser Verfahren auf die Renditen von Angehörigen verschiedener Generationen auswirken. Darüber hinaus wird dargelegt, welche Möglichkeiten aus Sicht einer umlagefinanzierten Rentenanstalt bestehen, das Auftreten eines Budgetdefizits infolge demographischer Änderungen zu verhindern.

In einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung, die grundsätzlich nach marktwirtschaftlichen Prinzipien organisiert ist, bedürfen staatliche Interventionen einer besonderen Begründung. In diesem Sinne beschäftigt sich das 2. Kapitel mit der Vorteilhaftigkeit einer auf staatlichem Zwang beruhenden umlagefinanzierten Alterssicherung. Dabei werden sowohl diejenigen Vorteile beschrieben, die mit der Anwendung eines Umlageverfahrens in einer sicheren Modellwelt verbunden sind bzw. verbunden sein können, als auch jene, die sich in einer unsicheren Modellwelt angesichts der Existenz diverser kollektiver Risiken ergeben. Argumente intergenerationeller Gerechtigkeit spielen bei diesen Betrachtungen noch keine Rolle.

In Kapitel 3 wird zunächst dargelegt, inwiefern durch die Wahl des Verfahrens zur Finanzierung der Alterssicherung Belange intergenerationeller Gerechtigkeit im Falle demographischer Veränderungen innerhalb des bestehenden Systems der gesetzlichen Alterssicherung Rechnung getragen werden sollte. Diesen Vorschlägen mangelt es jedoch unter anderem deshalb an Überzeugungskraft, weil die dabei zugrundegelegten Gerechtigkeitsnormen - „Lastverteilung nach dem Verursacherprinzip“ und „Erhalt der relativen Einkommensposition“ - ethisch nicht fundiert sind. Eine solche Fundierung könnte sich beispielsweise aus dem Rekurs auf ein allgemeines und weitgehend anerkanntes Konzept der Verteilungsgerechtigkeit ergeben. Drei derartige Gerechtigkeitstheorien - die utilitaristische, die von John Rawls und die Robert Nozicks - werden am Ende des 3. Kapitels erläutert. In diesem Zusammenhang wird außerdem jeweils dargelegt, inwieweit die betreffenden Konzepte innerhalb der ökonomischen Theorie der Alterssicherung bisher Berücksichtigung gefunden haben.

Im Rahmen der sich anschließenden modelltheoretischen Analyse soll untersucht werden, ob bzw. unter welchen Bedingungen die Etablierung eines umlagefinanzierten Alterssicherungssystems als ein legitimer, dem Aspekt intergenerationeller Gerechtigkeit Rechnung tragender Staatseingriff angesehen werden kann. Dabei wird von der These ausgegangen, daß eine solche Legitimation für das Umlageverfahren mit konstantem Beitragssatz oder das Umlageverfahren mit konstantem Rentenniveau dann vorliegt, wenn das betreffende Finanzierungsverfahren - in Anlehnung an die Rawls‘sche Gerechtigkeitstheorie - unter Anwendung der Maximin-Regel bei einer Beratung im „Urzustand“ präferiert wird. Jener Urzustand bezeichnet hier eine Abstimmungssituation, in der die Teilnehmer nicht wissen, zu welchem Zeitpunkt sie in welche demographische Lage hineingeboren werden. Diese Beurteilung hinter dem „Schleier des Nichtwissens“ wird in Kapitel 4 für eine kleine offene und in Kapitel 5 für eine geschlossene Volkswirtschaft vom Cobb-Douglas-Typ modelliert. Den Rahmen dafür bildet jeweils ein Lebenszyklus-Modell zweier sich überlappender Generationen, in dem ein funktionaler Zusammenhang zwischen dem Erwerbs- und dem Reproduktionsverhalten einer Generation bzw. der sie bildenden Individuen angenommen ist. Mit dieser Annahme soll den Ergebnissen empirischer Untersuchungen Rechnung getragen werden, denen zufolge die Erwerbsquote verheirateter Frauen tendenziell um so höher ist, je weniger Kinder sie haben.

In den Schlußbemerkungen werden die wichtigsten Ergebnisse dieser Urzustandsberatungen zusammengefaßt und einer kritischen Würdigung unterzogen.



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