: Mord ist keine Kunst

Mord ist keine Kunst

Der Roman „Malina“ von Ingeborg Bachmann und seine Verwandlung in ein Drehbuch und in einen Film

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 13

Hamburg 1995, 228 Seiten
ISBN 978-3-86064-263-4 (Print)

Drehbuch, Elfriede Jelinek, feministische Literatur, Ingeborg Bachmann, Intertextualität, Literaturverfilmung, Literaturwissenschaft, Malina, Werner Schroeter

Zum Inhalt

Die Auseinandersetzung mit Ingeborg Bachmanns Roman Malina ist in den vergangenen Jahren wieder stärker geworden, nicht zuletzt durch das Interesse des feministisch ausgerichteten Zweiges der Literaturwissenschaft. Trotzdem besteht abermals die Gefahr, dass der Roman einseitig gedeutet wird. „Mord“ geschieht nicht nur im Krieg und nicht nur unter der Bedingung patriarchaler Strukturen. „Mord“ ereignet sich unter der Oberfläche sogenannter heiler Verhältnisse, wie Raymond Chandler in seinem Aufsatz Mord ist keine Kunst erklärt.

Der Schauplatz dieses Geschehens ist in Malina das Ich. Das Ich ist der Ort, an dem der Krieg unterschiedlicher Perspektiven, entgegengesetzter Denk- und Lebensweisen ausgetragen wird. Der Konflikt zwischen den Geschlechtern spielt dabei auch eine Rolle. Elfriede Jelinek hat in ihrem Drehbuch zu einem Film Malina diesen Aspekt herausgearbeitet, ihn unter dem Vergrößerungsglas betrachtet - nach echt Jelinekscher Manier, kunstvoll, aber auch einseitig. Nach diesem Drehbuch und in intensiver Auseinandersetzung mit dem Roman entstand der Film von Werner Schroeter. Schroeters Film erobert die Vielperspektivität des Romans zurück, ohne die Intention Jelineks außer acht zu lassen. Roman wie auch Drehbuch und Film schockieren, das Drehbuch durch die Übertreibung einer Perspektive, Film und Roman durch die radikale Unabgeschlossenheit und Vieldeutigkeit.

Mord ist keine Kunst. Aber gerade dadurch, dass er sich sozusagen völlig natürlich vollzieht, enthält er die Möglichkeit des Umschlags. Aus diesem Krieg im Frieden heraus entsteht die Frage nach der Utopie, nach der ganz andere Möglichkeit, nach neuen Worten und neuen Bildern. Der Roman selbst sieht sich als Utopie. Schroeter hat diese Möglichkeit mitbedacht, Jelinek hat sie unberücksichtigt gelassen. Mit diesen ganz verschiedenen Sichtweisen eines Phänomens im Horizont auch der Frage weiblichen Schreibens setzt sich diese Arbeit auseinander. In Bachmanns Roman sind viele Genres zu finden: Kriminalroman, Oper, Liebesgeschichte, Essay, poème en prose. Eine Vereinnahmung von einer bestimmten Richtung wäre immer eine Einengung der schillernden Vielschichtigkeit des Buches.



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