: Zeiterfahrung und Zeitordnung vom frühen Mittelalter bis ins 16. Jahrhundert

Zeiterfahrung und Zeitordnung vom frühen Mittelalter bis ins 16. Jahrhundert

Studien zur Geschichtsforschung des Mittelalters, Band 4

Hamburg 1995, 204 Seiten
ISBN 978-3-86064-254-2

Abstraktzeit, Agrarzeit, Geschichtswissenschaft, Kirche, Kloster, Kurzzeitempfinden, Langzeitempfinden, mechanische Räderuhr, Zeitmessung

Zum Inhalt

Wie stand der Mensch des Mittelalters der Zeit gegenüber? Wie erlebte er sie in einer Epoche, als nur einfache Sonnenuhren und Wasseruhren bekannt waren? Wie versuchte er die Dimension Zeit zu erfassen, zu messen und zu gebrauchen? Wann bildete sich abstraktes Zeitdenken, wie wir es heute kennen, erstmals aus, und wo fand der revolutionäre Schritt statt? Diese und andere Fragen führen den Leser in die Welt des Mittelalters und zur Betrachtung des Alltags einzelner Bevölkerungsgruppen wie Bauern, Städter, Mönche, Handwerker und Kaufleute.

Anfänglich teilte allein der Rhythmus der Natur die Zeit ein. Der mittelalterliche Mensch orientierte sich vorrangig an der Sonne. Der präzise Zeitpunkt war dem einfachen Menschen gleichgültig. Im Bereich des Klosters aber und der Arbeitswelt des Spätmittelalters begann sich ein Bedürfnis nach einer exakten und berechenbaren Zeitordnung auszubilden. Die Erfindung der mechanischen Räderuhr in Europa und der Gebrauch der abstrakten ‘Uhrzeit‘ stillte dieses Bedürfnis. Die Verbreitung der Abstraktzeit führte zu tiefgreifenden Veränderungen im Alltag und im Zeitverständnis des Menschen. Die neue Zeitordnung wurde in zunehmendem Maße zur Handlungsgrundlage und Orientierungshilfe. Zeit bedeutete nunmehr sprichwörtlich auch Geld. Die Uhr als zentrales Zeitmessinstrument wurde zum Mittel der Koordinierung und Disziplinierung, aber auch zum Prestigeobjekt der Städte und Statussymbol des Einzelnen.

So war mit der Wende zur Neuzeit eine ‘neue Zeit‘ angebrochen. Mit dem Blick über die Grenzen des Kontinents hinaus wird der Sonderweg Europas deutlich. Im Vergleich mit dem mittelalterlichen China und der islamischen Welt überraschen interessante Parallelen und erstaunliche Eigenheiten in der Uhrentechnik und im Zeitdenken anderer Kulturen.



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