: Ursachen von Leistungsbilanzsalden

Ursachen von Leistungsbilanzsalden

Eine Analyse der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich mit Frankreich und Großbritannien

EURO-Wirtschaft – Studien zur ökonomischen Entwicklung Europas, Band 8

Hamburg 1994, 164 Seiten
ISBN 978-3-86064-224-5 (Print)

Außenhandel, duales Ausbildungssystem, Humankapital, internationale Konkurrenz, Lehre, Leistungsbilanzen, Leistungsbilanzentwicklung, Spezialisierung, Volkswirtschaftslehre

Zum Inhalt

Welches waren die Gründe, die in Deutschland zu einem gewaltigen Leistungsbilanzüberschuss führten? Worin unterschied sich die deutsche Volkswirtschaft von anderen in Europa? Welche Faktoren oder Mechanismen wirkten nur in Deutschland oder fehlten in den anderen Ländern? Antworten werden in der vorliegenden Arbeit gesucht. Zum Vergleich dienen dabei die Länder Frankreich und Großbritannien, die häufig ein Defizit in der Leistungsbilanz aufwiesen.

Die Untersuchung zeigt, dass die Handelsbilanzen und insbesondere die Bilanzen der Maschinen- und Transportgüter in allen drei Ländern einen maßgeblichen Anteil an der Herausbildung des Defizits oder Überschusses in der Leistungsbilanz hatten. Als naheliegender Erklärungsansatz wird zunächst die Wirkung der preislichen und kostenmäßigen Wettbewerbsfähigkeit auf die Leistungsbilanzen ermittelt.

Der Einfluss von Devisenkurs- und Kostenänderungen wird zunächst theoretisch hergeleitet. Dabei wird ein Zwei-Länder-Modell mit oligopolistischer Marktstruktur zugrundegelegt. Die Unternehmen des Modells zeigen ein abgestimmtes Verhalten. Bei der empirischen Überprüfung der Einflüsse konnte jedoch weder ein systematischer Einfluss des Devisenkurses noch der unterschiedlichen Kostenverläufe auf die Leistungsbilanzen ermittelt werden. Auch eine Preispolitik der Unternehmen, die auf die Sicherung ihrer Marktanteile zielt, war nicht feststellbar.

Eine weitere mögliche Erklärung könnte darin bestehen, dass die internationale Nachfrage nach den von Deutschland exportierten Produkten stärker stieg als nach Exportgütern anderer Länder. Dies war jedoch auch nicht der Fall. Eine weitere - erfolgversprechende - Frage ist, ob Unterschiede im Angebot der exportierten Güter existieren. Es wird gezeigt, dass Deutschland ausgeprägte Exporterfolge bei Produkten mittlerer Technologieintensität erzielt. Doch was macht die deutschen Maschinen und Autos „besser“ als die der Konkurrenzländer?

Die Autorin setzt beim Humankapital, also bei der Qualifikation der Beschäftigten, an. Ein Vergleich der Bildungssysteme ergibt, dass Frankreich und Großbritannien keine dem deutschen „Dualen System“ vergleichbare Berufsausbildung bieten. Zwar gibt es Auszubildende in Betrieben, wenn auch viel weniger als in Deutschland; diese Ausbildung ist jedoch nicht mit dem Besuch einer Berufsschule gekoppelt. Andererseits erhalten viele Jugendliche in Schulen eine Berufsausbildung, in denen wiederum der Praxisbezug zu kurz kommt. Nur in Deutschland dagegen gibt es eine lange Tradition nicht-staatlicher Berufsausbildung, in der zusätzlich zu den praktischen Fähigkeiten auch theoretische Kenntnisse vermittelt werden. Die Lehrpläne werden vom Staat unter Einbeziehung der Tarifpartner festgelegt. Dieses System ist die Grundlage für bedarfsgerecht ausgebildete Facharbeiter, die das Rückgrat für die Exporterfolge Deutschlands bilden.



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