: Begegnung mit dem göttlichen Du

Begegnung mit dem göttlichen Du

Karl Heims Christologie im theologiegeschichtlichen Kontext

THEOS – Studienreihe Theologische Forschungsergebnisse, Band 5

Hamburg 1992, 323 Seiten
ISBN 978-3-86064-094-4 (Print)

Apologetik, Auferstehung, Erlösung, Eschatologie, Offenbarung, Theologiegeschichte, Versöhnung, Weltvollendung

Zum Inhalt

Karl Heim darf als höchst origineller theologischer Denker gelten. Als Professor in Tübingen hatte er in den zwanziger und dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts einen enormen Hörerfolg unter Angehörigen aller Fakultäten. Die vorliegende Arbeit versucht, der Faszination, die sein theologisches Denken gerade auf Nichttheologen ausübte, ein wenig auf die Spur zu kommen. Der Ansatz wird bei Jesus Christus als der für Heims Theologie zentralen Gestalt genommen. Wie kann ein apologetischer Ansatz, der die damals neuesten Ansätze aus Naturwissenschaften und Philosophie aufnimmt, zugleich christozentrisch sein?

Entsprechend beherrscht die Spannung zwischen philosophisch abstraktem Denken und der historischen Person Jesu Christi Heims Arbeit von Anfang an. Es ist spannend, die Veränderung seines apologetischen Ansatzes an Hand seiner Christologie zu verfolgen, wie es die vorliegende Arbeit versucht. Seine teilweise halsbrecherisch anmutenden Argumentationen werden überprüft und im Lichte zeitgenössischer Kritik dargestellt.

Nicht nur Heims apologetische Methode, auch seine Christologie als solche wird kritisch in den Blick gefasst: Wie greift er die historische Kritik der Leben-Jesu-Forschung auf? Spannend ist hier vor allem sein Versuch, mit Hilfe der gerade aufgekommenen personalistischen Philosophie den „garstigen Graben“ (Lessing) zwischen Jesus von Nazareth und dem gegenwärtig wirksamen, auferstandenen Christus zu überbrücken. Doch auch die klassischen dogmatischen Loci Versöhnung und Erlösung fehlen nicht: 1931 veröffentlicht der schwedische Theologe Gustaf Aulén eine Untersuchung über die Versöhnungslehre der Alten Kirche, die für einige Diskussion sorgt. Heim greift sie kritisch auf und verteidigt seinen eigenen Entwurf in der Auseinandersetzung mit Althaus. Die Wurzeln des Heimschen Entwurfs können nur vermutet werden. Interessant ist dessen Auswirkung auf sein Geschichtsverständnis und seine Eschatologie.

Auch die Ausgestaltung der durch den Auferstandenen vermittelten Erlösung bleibt nicht in dogmatischen Kategorien stecken. Heim bedient sich hier eines philosophischen Gedankens: des Zusammenhanges zwischen Wille und Materie. Die Arbeit will zeigen, wie er sich auf diese Weise von der gleichzeitigen Theologie absetzt. Andererseits wird sein Ansatz unter dogmatischem Gesichtspunkt im Vergleich mit Positionen zur Eschatologie im 20. Jahrhundert verglichen: Vermag Heims Darstellung der Auferstehungshoffnung zu überzeugen?

Bei aller berechtigten Kritik an Heims teilweise sehr eigenwilligen Wegen fasziniert doch seine Denkleidenschaft und die Originalität seiner Lösungen. Was seinen Ansatz auch für heutige Zeitgenossen so sympathisch macht, ist eine gewisse „Ganzheitlichkeit“ im Denken: Karl Heim bleibt nicht in theologisch-dogmatischen Kategorien stecken. Er stellt die Frage nach Sinn und Wert des Lebens, will die Kluft zwischen Denken und Vertrauen überbrücken und so eine sinnvolle Grundlage für das Handeln schaffen.



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