: Kants „System“ und Goethes „Faust“

Kants „System“ und Goethes „Faust“

BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie, Band 4

Hamburg 1992, 130 Seiten
ISBN 978-3-86064-081-4 (Print/eBook)

Deutsche Klassik, Deutsche Literatur, Faust I, Faust II, Freiheits-Gedanke, Friedrich Schiller, Geschichtswissenschaft, Immanuel Kant, Johann Gottlieb Fichte, Johann Wolfgang von Goethe, Philosophie

Zum Inhalt

Hermann Baum analysiert den Einfluß, den das Denken Kants und Fichtes auf die beiden wichtigsten Dichter der deutschen Klassik, Goethe und Schiller, ausgeübt hat. Wegen der unübersehbaren Fülle des Materials wird dieser Untersuchgegenstand jedoch notwendig eingeengt: Zum einen beschränkt sich der Autor auf den Zeitraum, der durch die Freundschaft beider Dichter bestimmt ist – nämlich die Zeitspanne vom Beginn ihrer Freundschaft, also 1794, bis 1832, dem Todesjahr Goethes. Zum andern steht neben dieser zeitlichen Einengung noch eine das literarische Schaffen selbst betreffende Restriktion: Jenes Verhältnis soll im Lichte des Goetheschen “Faust? betrachtet werden, der den Einfluß Kants und Fichtes am stärksten widerspiegelt.

Mit analytischer Präzision geht Baum der Beantwortung seiner Fragestellung nach: Er stellt die wesentlichen Gesichtspunkte des Kantischen und Fichteschen Denkens vor und setzt sie abschließend in Beziehung zueinander. Parallel dazu werden die zentralen Anliegen und Themen im Schaffen Goethes und Schillers dargestellt. Hieran schließt sich eine Betrachtung des Goetheschen Faust an, die vor allem die wesentlichen Aussagen herauspräpariert, die an Kant und Fichte erinnern. Abschließend wird die Einflußhypothese im engeren Sinne verifiziert - zum einen anhand von verschiedenen Selbstzeugnissen Goethes, zum anderen durch die kritische Betrachtung der zuvor herausgearbeiteten Analogien im “Faust?.

Der Autor kommt zu zwei Ergebnissen: Einerseits ist das kantische Denken als eine Art Folie zu verstehen, auf der sich die Einheit des Goetheschen Werkes in seiner Entstehung zeigt. Anderseits ließ die gemeinsam mit dem auf dem Kantisch–Fichtischen Freiheits–Gedanken insistierenden Schiller betriebene Erarbeitung der Philosophie Kants dem Naturwissenschaftler und Künstler Goethe die Bedeutung und Notwendigkeit des Freiheits–Gedankens so stark bewußt werden, daß er in seiner Faust–Dichtung als Punkt Omega erscheint, auf den die Handlung des Gesamtwerkes in zwei Anläufen abzielt und vor dem sie als ihrem Zielpunkt auch ihre Einheit gewinnt, die systematisch und schrittweise (dabei Kants System entsprechend) in “Faust I? und “Faust II? aufgebaut wird.



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