Dissertation: Marginalisierte Männlichkeitskonstruktionen im Migrationsprozess

Marginalisierte Männlichkeitskonstruktionen im Migrationsprozess

Eine vergleichende biografieanalytische Untersuchung männlicher Migranten aus Aserbaidschan in der Türkei und aus der Türkei in Deutschland

Gender Studies – Interdisziplinäre Schriftenreihe zur Geschlechterforschung, Band 30

Hamburg 2017, 400 Seiten
ISBN 978-3-8300-9696-2

Rezension

[...] Insgesamt gesehen ist diese Studie ein gleichermaßen innovativer wie wertvoller Beitrag in den aktuellen (Flucht-)Migrations-Debatten, der neue Aspekte stark macht und so dazu beitragen kann, die kulturalistischen und stereotypen Engführungen zu überwinden. [...]

Michael Tunç, in:
socialnet Rezensionen, 11.07.2018

Aserbaidschan, Biografieforschung, Fluchtbiografie, Geschlechterverhältnis, hegemoniale Männlichkeit, Intersektionalität, Männerforschung, Männlichkeitskonstruktionen, Marginalisierung, Migranten, Migration, Migrationsprozess, Türkei

Zum Inhalt

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Die Studie beschäftigt sich mit der Frage, auf welche Weise männliche Migranten ihre Männlichkeit ‘konstruieren‘ und welchen Einfluss die Erfahrungen der Migration auf diesen Konstruktionsprozess haben. Mit ‘Konstruktion‘ ist dabei sowohl die (Re-)Produktion bzw. Transformation eigener Vorstellungen von Männlichkeit als auch das lebenspraktische doing masculinity, also das alltägliche Sich-als-Mann-Verhalten gemeint.

Die Studie konzentriert sich dabei auf eine ganz bestimmte Gruppe von Migranten, nämlich solche, die aufgrund besonderer Migrations- bzw. Fluchtbedingungen in der Illegalität leben und insofern marginalisiert sind. Dabei werden zwei Migrantengruppen miteinander verglichen: Männer, die aus Aserbaidschan in die Türkei migriert sind, und Männer, die aus der Türkei nach Deutschland eingewandert sind. In dieser Arbeit wird ein soziologischer Einblick in ihre Biografien geworfen. Ihre Biografien sind dadurch geprägt, dass sie sich trotz des Verschleißes ihrer Körper und trotz ihres seelischen Leidens im Erwerbsleben zu behaupten bemühen, um ihre eigene und die Existenz ihrer Familien zu sichern und im Familienleben den Anforderungen gerecht zu werden. Es werden die kontextuellen Verhältnisse der geschlechtlichen Konstruktionen auf der Basis der Migranten-Männerbiografien analytisch untersucht. Insbesondere werden die Marginalisierungsprozesse, gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen, bei denen Individuen oder Gruppen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden und ihre Teilhabe am kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Leben verweigert sowie der Zugang zu öffentlichen Gütern verhindert wird, aufgezeigt. Es wird darauf eingegangen, wie die Verweigerung einer rechtlichen und menschenwürdigen Existenz von den Betroffenen im Sinne der Überlebenssicherung und des Selbstschutzes in Kauf genommen wird. Gleichzeitig wird ein paradoxer Prozess in diesen Verhältnissen aufgezeigt, nämlich die Überlebenskünste der interviewten Männer, die sich in Form eines Überlebenskampfes in illegalen Verhältnissen und in einer unsichtbaren Position gewisse ‘Handlungsfreiheiten‘ schaffen.



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