Forschungsarbeit: Deutsch-italienische Eiszeit. Der Presse-Krieg Juli 1934 bis Mai 1935

Deutsch-italienische Eiszeit. Der Presse-Krieg Juli 1934 bis Mai 1935

Eine Dokumentation

Schriften zur Geschichtsforschung des 20. Jahrhunderts, Band 16

Hamburg 2017, 122 Seiten
ISBN 978-3-8300-9670-2

Abessinien, Adolf Hitler, Benito Mussolini, Deutsch-italienische Beziehungen, Deutschland, Engelbert Dollfuß, Faschismus, Italien, Nationalsozialismus, Neu-Heidentum, Presse-Krieg, Röhm-Putsch, Ulrich von Hassell

Zum Inhalt

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Mussolini hatte von vornherein starke Reserven gegenüber Hitler und eine unterschwellige Angst vor einer deutschen Vorherrschaft in Europa und damit einer Bedrohung Italiens. Kurz nach einem ersten Treffen der beiden Diktatoren in Venedig kam es zu zwei Ereignissen, die das Verhältnis zwischen beiden Ländern stark vergifteten.

Nach der Mordserie im so genannten Röhm-Putsch und der Ermordung des österreichischen Regierungschefs Engelbert Dollfuß löste der „Duce“ eine Hetzkampagne gegen den Nationalsozialismus und gegen die Deutschen im Allgemeinen aus. Hierbei kamen alle negativen Stereotypen und Klischees an die Oberfläche, die Mussolini schon im Ersten Weltkrieg gegen Deutschland verwendet hatte.

Vor allem wurden die Thesen von einer Höherwertigkeit der germanischen Rasse gegenüber den Italienern angeprangert. Mussolini stellte diesen die Überlegenheit des antiken Roms und der mit Frankreich gemeinsamen „Latinität“ entgegen. Der Hitler-Regierung wurde vorgeworfen, das Christentum durch ein Neu-Heidentum und das römische Recht durch ein germanisches Recht ersetzen zu wollen.

Weiter wurde gegen angebliche „pangermanische“ Bestrebungen polemisiert, sich Teile Norditaliens, vor allem alte habsburgische Gebiete wie Südtirol oder Triest, aneignen zu wollen. Österreich wurde eine politische und kulturelle Eigenständigkeit gegenüber dem Deutschen Reich zuerkannt. Ein „Anschluss“, mit dem das Reich bis an die Brenner vorrücken würde, wurde mit allen Mitteln bekämpft.

Die deutsche Presse reagierte mit Attacken gegen Italien, in denen es hieß, die eigentlichen Kulturträger im Mittelmeerraum seien die Germanen gewesen. Es wurde an die Varus-Schlacht und den Sieg von Hermann dem Cherusker erinnert und den Italienern im Hinblick auf den „Bündnisbruch“ 1914 Unverlässlichkeit vorgeworfen. Die Angriffe erreichten aber niemals die Schärfe des italienischen Pressekrieges. Hitler bremste, weil er weiterhin wünschte, Mussolini doch noch als Bundesgenossen zu gewinnen.

Die beiderseitige Eiszeit dauerte fast ein Jahr, vom Juli 1934 bis Mai 1935. Das Ende kam, als sich Italien durch seine kriegerische Auseinandersetzung mit Abessinien außenpolitisch isolierte. Nachdem Frankreich und England Sanktionen verhängt hatten, blieb für Italien nur das ungeliebte Deutschland. Nach der publizistischen Schlammschlacht erscheint es beinahe unglaublich, dass beide Länder wenig später Bundesgenossen werden konnten.



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