Forschungsarbeit: Artifizielle Sinnstiftung

Artifizielle Sinnstiftung

Das empirisch-rationale Erkennen und die Zweckorientierung des menschlichen Handelns

BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie, Band 137

Hamburg 2017, 752 Seiten
ISBN 978-3-8300-9662-7 (Print/eBook)

Anthropologie, Antriebe und Interessen, Determination des Handelns, Empirisch-rationales Verfahren, Empirische Philosophie, Erkenntnistheorie, Evolutionsbiologie, Funktion der Kunst, Konstruktion der Wirklichkeit, Psychologie, Rationalität, Religion, Sinn des Lebens, Sinnorientierung, Willensfreiheit, Zweckorientierung

Zum Inhalt

Anders als die Religionen und die religiös orientierten Philosophien behaupten: Gleich anderen Organismen entwickelte der Mensch sich aufgrund von Versuch, Irrtum und Erfolg, nämlich ohne Zweck-, Ziel-, Wert- und Sinnorientierung. Den Fortgang seiner Existenz gewährleistet der „homo sapiens“ im psycho-physischen Austausch mit den Gegebenheiten seines Biotops. Veranlaßt und gelenkt wird dieser Austausch vor allem durch Bedürfnisse, Antriebe, Interessen, Neigungen und Bereitschaften im Zusammenhang mit Erkenntnisprozessen. Von solchen Bestimmungsfaktoren unabhängige, nämlich sogenannte „freie“ Entscheidungen finden in der Steuerung des kontinuierlichen Handlungsfortgangs keinen bio-logisch sinnvollen Platz.

Die Erkenntnisprozesse leisten die pragmatisch funktionierenden Vernehmungsorgane. Diese liefern die raum-zeitlichen Daten, deren Zusammenhang sich mit Hilfe des Denkens in Grenzen analysieren und überprüfen läßt. Das empirisch-rationale Verfahren entwickelte sich somit als die weitgehend effiziente Methode zur Nutzung der Ressourcen der Welt inklusive des modifizierenden Eingriffs in diese.

Die ohne Zweck-, Ziel-, Wert- und Sinnorientierung verlaufende biologische Evolution begründet die Inexistenz allgemeinverbindlicher Zwecke, Ziele und Werte des menschlichen Daseins und der Gestaltung des Lebens. Das Fehlen generell verpflichtender Bestimmungen erlaubt die vornehmlich funktional eingeschränkte Vielfalt in den Modi individueller Präferenzen und gesellschaftlicher Normen.

Die vom Menschen evolierte Zweck-, Ziel-, Wert- und Sinnorientierung begründet dessen Neigung, sein Handeln angesichts der Diversität der ihm sich eröffnenden Möglichkeiten zu rechtfertigen. Zu diesem Zweck bedient der homo sapiens sich unter anderem konstruierter Wirklichkeiten und Sinninhalte. Solche Fiktionen beruhen auf der hypertelischen Evolution des Gehirns und der mit ihr erreichten Verselbständigung des Denkens gegenüber der Wahrnehmung. Die von den Inhalten der Wahrnehmung abgelösten Gedanken lassen unter anderem die Existenz sowie das Wirken von Über-Sinnlichem annehmen. Mit dem Rekurs auf dieses akzeptieren zahlreiche Menschen diverse Antworten auf die artifiziellen Fragen, die gleichfalls aus der hypertelischen Entwicklung des menschlichen Geistes resultieren.

Zum Autor

Heinz Meyer, geboren 1936, studierte Philosophie, Psychologie, Soziologie und Vergleichende Religionswissenschaft. Das psychologische Studium schloß er mit dem Diplom, das soziologische mit der Promotion ab. Nach der Habilitation in der Disziplin Soziologie lehrte er als Professor für Soziologie in Aachen und Wuppertal.

Veröffentlichungen des Autors zu den hier angesprochenen Themen: Alienation, Entfremdung und Selbstverwirklichung (1984); Welt, Gesellschaft und Individuum (1987); Religionskritik, Religionssoziologie und Säkularisation (1988); Kunst, Wahrheit und Sittlichkeit (1989); Das ästhetische Urteil (1990); Traditionelle und Evolutionäre Erkenntnistheorie (2000).



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