Dissertation: Kulturbewusstsein und politischer Anspruch

Kulturbewusstsein und politischer Anspruch

Untersuchungen zum Engagement Leipziger Bürger für städtische Museen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Schriften zur Geschichtsforschung des 20. Jahrhunderts, Band 15

Hamburg 2017, 422 Seiten
ISBN 978-3-8300-9414-2

Bürger, Bürgertumsgeschichte, Friedrich Schulze, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Gesellschaft der Freunde des Kunstgewerbemuseums, Julius Vogel, kommunale Museumspolitik, Kulturbewusstsein, Leipzig, Leipziger Kunstverein, Mäzenatentum, Museum der bildenden Künste Leipzig, Museumsgeschichte, Museumspolitik, Nationalsozialismus, Richard Graul, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Weimarer Republik, Werner Teupser

Zum Inhalt

Seit ihrer Gründung im 19. Jahrhundert erwuchsen die Leipziger Museen nicht nur zu Einrichtungen, die den klassischen musealen Aufgaben des Sammelns, Bewahrens, Erforschens und Präsentierens von Kulturgütern nachkamen. Denn zugleich dienten sie dem emanzipierten Bürgertum als Ort, die eigene kulturelle Identität, gesellschaftliche Legitimation und politischen Einfluss zu untermauern. Die städtischen Museen wurden somit im Kulturbewusstsein des „klassischen“ Bürgertums zu einer Institution ersten Ranges. Der Anspruch nach Deutungshoheit umspannte während dieser Entwicklung die bildende Kunst und die Lokalgeschichte – später auch das Kunstgewerbe und die Naturwissenschaften. Allen Bereichen war gemein, dass hier grundlegende Lesarten eines auf Bildung, Wissen und ästhetischer Formung beruhenden Gesellschaftsteils präsentiert wurden.

Die Publikation des Leipziger Historikers Thomas Stein greift diese Relevanz auf und hinterfragt die Fortentwicklung des Leipziger Museumswesens zu Zeiten der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus‘. Ausgehend von der These, dass sich unter dem gesellschaftlichen Wandel nach der Novemberrevolution die Funktionen und Bedeutung der kommunalen Museen modifizierten, nimmt die Studie Veränderungsprozesse in den Blick, die maßgeblich von einer bürgerlichen Elite und später von politischen Funktionären bestimmt wurden. Ihre Dominanz in der Museumsleitung, den kommunalen Museumsgremien und -vereinen spiegelt ihr kulturelles Selbstverständnis und ihren Herrschaftsanspruch wider – und zeitgleich eine Abwehrhaltung gegenüber anderen Gesellschaftsschichten und Andersdenkenden zwischen 1918 und 1945.

Auf der Geschichte und Entwicklung des Museums der bildenden Künste Leipzig und des Stadtgeschichtlichen Museum der Messemetropole liegt die Priorität, ohne die anderen Museen der Stadt und deren Trägervereine zu vernachlässigen. Museumsdirektoren, Mäzene, Künstler und Kommunalpolitiker bilden hierbei jenen untersuchten Personenkreis, der die Leipziger Museumslandschaft im Ringen um Kontinuität und Umbruch im „Zeitalter der Extreme“ prägte.



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