Forschungsarbeit: Die Budweiser Aktienbrauerei und die Konstruktion des Nationalen

Die Budweiser Aktienbrauerei und die Konstruktion des Nationalen

Brauindustrie im Spannungsfeld von Wirtschaftsnationalismus und Verdrängungswettbewerb

Schriften zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Band 29

Hamburg 2017, 200 Seiten
ISBN 978-3-8300-9298-8

Aktienbrauerei, Aktiengesellschaft, Böhmen, Brauerei, Brauindustrie, Budweis, Industriegeschichte, Lebensmittelindustrie, Marketing, Nationalismus, Tschechien, Verdrängungswettbewerb, Wettbewerb, Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftsnationalismus

Zum Inhalt

Der Geschmack der Budweiser Biere aus der Zeit um 1900 lässt sich heute kaum noch rekonstruieren. Politisch und gesellschaftlich dominiert ein nationalistischer Nachgeschmack: Die beiden Budweiser Industriebrauereien versorgten Böhmen nicht nur mit berauschenden Getränken, sondern auch mit nationalen Botschaften.

Diese Publikation untersucht den nationalistischen Diskurs von Braubetrieben in den beiden Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg. Im Mittelpunkt steht die Böhmische Aktienbrauerei in Budweis, die heute unter ihrem Markennamen Budweiser Budvar zu den international bekanntesten Industriebrauereien Tschechiens gehört. Ihre Gründung im Jahr 1895 war ein wirtschaftsnationalistisches Instrument im Prozess der tschechischen Nationsbildung. Gründung, Positionierung und Kommunikation waren von nationalen und politischen Motiven geprägt. Bier brauen und trinken mutierte in Budweis an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert zu einer nationalen Frage. Der Wettbewerb der Nationen spiegelte sich im Wettbewerb der national positionierten Braubetriebe. Ihr Konkurrenzkampf stand stellvertretend für die politische und gesellschaftliche Rivalität der deutschen und der tschechischen Nation. Die Budweiser Braubetriebe waren zentrale Akteure in diesem Ringen um kulturelle und politische Vorherrschaft. Ihre Biere schieden die Konsumenten entlang der „Braufront“ in tschechische Aktienbier- und deutsche Bürgerbräu-Trinker. Die Wahl der Biermarke mutierte zum Indikator für nationale Selbstverortung.

Der Autor analysiert die national inspirierten Gründungsmythen und entlarvt die national nur vermeintlich homogenen Eigentümerstrukturen beider Großbrauereien. Entlang der national motivierten Unternehmensbotschaften begibt sich das Buch auf eine Spurensuche nach der Essenz des Rezitativs von „wir“ und „sie“. Ein Vergleich der nationalistischen Diskurse in Budweis mit jenen von anderen Brau-Unternehmen verleiht den erarbeiteten Kernaussagen zusätzliche Tragkraft. Die national motivierten Unternehmensaktivitäten werden dabei im Kontext der verschärften wirtschaftlichen Konkurrenz in der Brauindustrie ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gezeigt.



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