Forschungsarbeit: Philosophie für Pädagogen

Philosophie für Pädagogen

Zur postmodernen Auslegung des Verhältnisses von Freiheit, Erziehung und Vernunft

Schriften zur Pädagogischen Theorie, Band 11

Hamburg 2017, 206 Seiten
ISBN 978-3-8300-9289-6 (Print/eBook)

Erziehung, Fehlbarkeit der Vernunft, Freiheit, Freiheiten, Freiheitsbedrohungen, Geist, Naturalismus, Pädagogik, Person, Philosophie, Postmoderne, Psychologie, Selbsterziehung, Subjekt, Tadel, Theorie des Gehirns, Vernunft

Zum Inhalt

In der neuzeitlichen Philosophie wurde Freiheit insbesondere als Autonomie gedeutet und stand als Selbst-Gesetzgebung im Sinne Kants in enger Beziehung zur Vernunft. Diese Auslegung ist zwar theoretisch attraktiv, bereitet Pädagogen nach wie vor jedoch viele praktische Probleme, was schon Herbart monierte. Zudem wurde in der Postmoderne das ‘Selbst‘ dezentriert, wodurch der intelligible Zusammenhang von Freiheit und Vernunft seine transzendentale Überzeugungskraft verlor. Hinzu kam eine Verlagerung des Freiheitsverständnisses zur Selbst-Verwirklichung, in welcher Freiheit zwar Schwester der Vernunft sein kann, aber auch der Unvernunft, was oftmals zur Bedrohung der Freiheit führt. Dadurch wird eine Erziehung zur Vernunft notwendig. Neben der politischen, rechtlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und künstlerischen ist für Pädagogen von daher die personale Freiheit von Bedeutung, weil sie unmittelbar mit dieser Erziehung verknüpft ist. Es geht also nicht nur um eine Erziehung zur Freiheit, d.h. dass man ungehindert zugänglich wird für unterschiedliche Gründe (= Selbstverwirklichung aufgrund von Willensfreiheit), sondern vor allem darum, dass man sich freiwillig für die guten Gründe entscheidet. Die Bestimmung dieser Gründe kann sich in der Postmoderne aber nur auf eine fehlbare Vernunftanlage stützen, die sich noch dazu in Motivationsprobleme verwickelt. Denn Vernunft entspricht bloß einer Idee. Jeder Mensch kann lernen, sein Denken und Handeln – wenn er es denn will – an Prinzipien der Vernunft auszurichten und sein rationales Vermögen anzuwenden, muss es aber nicht. Auch darin zeigt sich unsere Freiheit. Wird der Vernunft dagegen irrtümlich eine eigene Kraft zugeschrieben, so rückt sie in eine rätselhafte Wechselwirkung mit der Physis des Menschen. Erst ein Bedürfnis als Wunsch zur Vernunftanwendung kann die Beziehung von Körper und Geist etwas enträtseln, das Verhältnis von Freiheit, Erziehung und Vernunft verständlich machen sowie Möglichkeiten und Grenzen der Erziehung zur Person bzw. zur Vernunft aufzeigen.



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