Forschungsarbeit: Sprache als Schlüssel zum Recht

Sprache als Schlüssel zum Recht

Zur Strafbarkeit religiös motivierter Knabenbeschneidungen aus rechtslinguistischer Sicht

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 213

Hamburg 2016, 116 Seiten
ISBN 978-3-8300-9052-6 (Print/eBook)

Fachsprache, Pragmatik, Rechtsauslegung, Rechtslinguistik, Rechtssprache, Semantik, Sprachwissenschaft, Textsortenanalyse

Zum Inhalt

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Bereits Kafka schrieb, dass das Gesetz jedem und immer offen sein sollte. Doch ist dem so? Für den Laien sind die Institution Recht und die in ihr vorkommenden Argumentationsstrukturen häufig unverständlich, gar befremdlich. Diese Publikation versucht in diesem Sinne Kommunikations- und Argumentationsformen im Recht zu erhellen, um somit die institutionalisierte Sprache im Recht transparent darzustellen. Zunächst werden in der Arbeit Antworten auf grundlegende Fragestellungen zur Erschließung von Welt und Wissen durch Sprache und zur Heterogenität natürlicher Sprachen diskutiert, um hierdurch Antworten auf die Verständlichkeitsproblematik rechtssprachlicher Erscheinungsformen abzuleiten. Da es nicht genügt, Sprachvarietäten individuell und allein auf ihre sprachsystematischen Besonderheiten zu beleuchten, wird im zweiten Teil die Sprache im Recht in einem kommunikationsspezifischen Kontext betrachtet. Hierzu wird zunächst das Modell der Strukturierenden Rechtslehre nach Müller (1984) eingeführt und kritisch gegen rechtspositivistische Theorien abgegrenzt. Dieses Ergebnis wird um Felders Modell der Sprachhandlungstypologien (2003) erweitert und auf einen Beispielfall zur Strafbarkeit religiöser Knabenbeschneidung, wie er sich in den Jahren 2011 und 2012 vollzog, angewandt. Hierdurch ist es möglich, an einem konkreten Fall Sprachhandlungsklassen und Sprecherhandlungen in der Kommunikation vor Gericht aufzuzeigen und diese zu kategorisieren sowie Argumentationsstrukturen und semantische Kämpfe aufzudecken, um somit den gesamten Normfindungsprozess auf sprach- und rechtstheoretischer Grundlage transparenter darzustellen. So kann einerseits ein Beitrag geleistet werden zur Klärung der Verständlichkeitsproblematik rechtlicher Sprache(n), als andererseits auch ein Blick geworfen werden „hinter“ Kommunikationsformen, die dem fachlichen Laien die dezidierte Auseinandersetzung rechtssprachlicher Kontexte erschweren.



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