Dissertation: Mit dem Mittelalter die Gegenwart erzählen

Mit dem Mittelalter die Gegenwart erzählen

Eine ferne Vergangenheit als Vermittlungsinstanz in Weltentwürfen des 20. und 21. Jahrhunderts

Schriften zur Kulturgeschichte, Band 37

Hamburg 2016, 696 Seiten
ISBN 978-3-8300-8792-2

Rezension

Während es zu Mittelalterbildern und „Medievalism“ zahllose Veröffentlichungen gibt, sind die Gegenwartsbezüge des aktuellen Mittelalterbildes bislang kaum gründlich und konkret aufgearbeitet. Es ist daher zu begrüßen, dass Daniel WIMMER sich in seiner Mannheimer Dissertation die Aufgabe gestellt hat, die Rolle heutiger Mittelalterbilder bei der Schaffung kollektiver Zusammengehörigkeitserzählungen zu analysieren. [...]
[...] Das Programm ist reichhaltig. Insgesamt nimmt man die ungeheure Fleißarbeit dankbar entgegen, entdeckt viel Interessantes und Nützliches und gewinnt neue Einblicke in ein aktuelles Mittelalterbild im Vergleich dreier Länder [...].

Hans-Werner Goetz (Hamburg), in:
Das Mittelalter, Band 23, Heft 1 (Jun 2018)

20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Europa, Geschichtsbilder, Geschichtsrezeption, Globalisierung, Katalonien, Kollektive Identitätskonstruktionen, Mediävistik, Medienanalyse, Metropolregion Rhein-Neckar, Mittelalter, Mittelalterbilder, Mittelalterezeption, Rezeptionsgeschichte, Schulbuchanalyse, Zeitgeschichte

Zum Inhalt

Was ist Geschichte und was sagt sie uns? So einleuchtend diese beiden Fragen auf den ersten Blick erscheinen, so aktuell und essentiell sind sie. Die Beschäftigung mit ihnen eröffnet ein weites Feld, auf dem bereits einige Historiker ihre Spuren hinterlassen haben. Was ist angesichts dessen also neu an dieser Arbeit? Es ist der Wunsch, in einer Zeit die Funktion von Geschichte nachzuzeichnen, in der gerade auf akademischer Seite die Auflösung von Grenzen zu Gunsten eines vielfältigen, transkulturell und multireligiös geprägten Gemeinwesens betont wird. Natürlich geht es nicht darum, eine Schrift wider die offenbaren Veränderungen der Welt zu verfassen, die im Zuge der allgegenwärtigen Globalisierung zu Tage treten. Vielmehr soll, gerade heute, angesichts dieser tiefgreifenden, weltweiten Veränderungen die Rolle von Geschichtsbildern bei der Schaffung, Stärkung und Erhaltung von Identitäten in den Fokus rücken. Deren Analyse ist eine Voraussetzung, um die gegenwärtigen Entwicklungen in ihrer Komplexität und teilweise auch Widersprüchlichkeit verstehen und erklären zu können. In welchem Maße reflektieren die aktuellen Vorstellungen von Geschichte die Veränderungen der Gegenwart? Oder wandelt sich die Geschichte zu einem Rückzugsort der ewig Gestrigen, die den Wandel der Welt nicht mitgehen möchten oder können?

Warum aber sollen diese Fragen gerade mit einem Blick auf das Mittelalter beantwortet werden? Schließlich ist das 19. Jahrhundert, in dem die Mittelalterrezeption zur Legitimation und argumentativen Untermauerung nationalstaatlicher Ansprüche ihren Höhepunkt erreichte, schon lange vorbei. Doch auch im 20. und 21. Jahrhundert genießt diese für uns so weit entfernt erscheinende Epoche besondere Aufmerksamkeit: Auf verschiedenen Ebenen territorialer Verfasstheit, das heißt Regionen, Nationen und supranationaler Gebilde ist die mittelalterliche Geschichte weiterhin zentraler Bestandteil von Identitätsangeboten und Weltentwürfen.



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