Forschungsarbeit: Emil Fuchs: Auslegung des Evangeliums nach Markus

Emil Fuchs: Auslegung des Evangeliums nach Markus

THEOS – Studienreihe Theologische Forschungsergebnisse, Band 122

Hamburg 2015, 162 Seiten
ISBN 978-3-8300-8720-5 (Print/eBook)

Emil Fuchs, Evangelium, Exegese, Markus, Nationalsozialismus, Neues Testament, Religiose Sozialisten, Theologie, Widerstand

Zum Inhalt

Zwischen Januar und Juli 1938 hat Emil Fuchs das Markusevangelium neu übersetzt und ausgelegt. Diese Monate konnten von Fuchs und aufmerksamen Zeitgenossen durchaus als Endzeit verstanden werden: im Januar 1938 beginnt der Zweite Japanisch-Chinesische Krieg, im März marschieren deutsche Wehrmachttruppen in Österreich ein, in Spanien setzen sich die Nationalisten um Franco in der Aragonoffensive durch, im Mai ordnet die tschechoslowakische Regierung aufgrund Provokationen Hitlers die Mobilmachung der Armee an, im Grenzgebiet zwischen der Mongolei und China kommt es zu militärischen Auseinandersetzungen, im Juli kommt es zu ersten Kampfhandlungen zwischen der Sowjetrepublik und Japan. Die Gefahren dieser globalen Zerstörungen und sozialen wie politischen Ungerechtigkeiten führt Fuchs klar vor Augen: „In Zeiten, da eine ganze Gesellschaft vor die Frage gestellt ist, ob sie sich im Traditionellen festlegen und gegen jedes Opfer wehren will, das Gerechtigkeit von ihr fordert, gewinnt dies Ankämpfen gegen die Stimme der Gottesmacht dämonische Gewalt in Tausenden und Tausenden. Man glaubt Vorteil und Besitz gefährdet und führt mit dem Ersticken des Gewissens die allgemeine Versumpfung und die ungeheure Gesellschaftskatastrophe herbei. Der unwahrhaftige Kampf gegen die eigne innere Stimme ist auch hier die unvergebbare Sünde und führt zur Selbstzerstörung.“

Das Evangelium des Verfassers Markus wird von Fuchs als apokalyptischer Endzeitbericht gesehen, in unmittelbarem Zusammenhang mit der Offenbarung des Johannes, die er anschließend 1938/39 übersetzte und auslegte. Die sechzehn Kapitel des Markusevangeliums berichten von der Lebensgeschichte Christi und dem Heraufkommen einer neuen, gerechten und friedlichen Gesellschaft. In diesem ältesten Evangelium werden weithin bekannte Gleichnisse besprochen, wie das „Gleichnis vom Sämann“ oder das „Gleichnis vom Senfkorn“ – einzelne, mündlich tradierte Geschichten der Frühchristen, die erst Markus in eine zusammenhängende schriftliche Erzählung gebracht hat. Darüber hinaus werden von Fuchs auch das Messiasgeheimnis, die Leidensankündigung, die Endzeitrede und der umfangreiche Passionsbericht in einen Zusammenhang gebracht, der deutlich macht, dass nicht irdische, sondern göttliche Macht und das Geistige dem Ruf Christi gemäß waren und sind – in der Urgemeinde ebenso wie 1938, 2015 oder zu einem anderen Zeitpunkt.



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