Forschungsarbeit: Intersubjektivität als Philosophisch-Anthropologische Kategorie

Intersubjektivität als Philosophisch-Anthropologische Kategorie

Arnold Gehlen und Michael Tomasello

HERODOT – Wissenschaftliche Schriften zur Ethnologie und Anthropologie, Band 15

Hamburg 2016, 166 Seiten
ISBN 978-3-8300-8686-4 (Print/eBook)

Rezension

[...] Moderlak versteht es, in seiner Studie theoretische Positionen zusammenzufassen und in ein Verhältnis zueinander zu setzen. Gerade für Leser und Leserinnen, die speziell mit Gehlen und Tomasello nicht vertraut sind, lohnt sich die Lektüre als Einführung in deren Arbeiten. [...]

Philip Hogh, in:
Jahrbuch interdisziplinäre Anthropologie, 6/2018

Arnold Gehlen, Bewusstsein, Erkenntnistheorie, Evolution, Geist, Hirnforschung, Intersubjektivität, Kommunikation, Michael Tomasello, Neurowissenschaft, Philosophische Anthropologie, Soziobiologie, Sprache, Verhalten

Zum Inhalt

Die Frage nach der Natur des Menschen und dem Wesen seines Bewusstseins ist im wissenschaftlichen wie öffentlichen Diskurs nach wie vor so aktuell wie polarisierend und kann von keiner Einzelwissenschaft umfassend beantwortet werden. Natur- und Geisteswissenschaften stehen bezüglich dieser Problematik in einem Ausschließungsverhältnis, welches sich in der auf Descartes zurückgehenden Spannung zwischen Naturalismus und Kulturalismus äußert.

In diesem Werk wird der Versuch einer begrifflichen Grundlegung eines interdisziplinären Diskursrahmens unternommen, da nur ein solcher in der Lage ist, den Gegenstand des Menschen auf kritische und progressive Weise zu behandeln, ohne althergebrachten Dualismen oder vorschnellen Ontologisierungen zu verfallen. Hierbei wird ein Menschenbild konzipiert, welches evolutionär-empirisch fundiert ist und gleichermaßen für die Sozialwissenschaften fruchtbar gemacht werden kann. Als Schlüsselautoren erweisen sich Arnold Gehlen als der empirisch am ausgereiftesten agierende Autor der Philosophischen Anthropologie sowie Michael Tomasello als interdisziplinär bedeutsamer Vertreter moderner Evolutionswissenschaften. Auf der Basis eines konstruktiven Theorienvergleichs dieser Autoren wird unter Bezugnahme auf die modernen Neurowissenschaften die Kategorie der Intersubjektivität entwickelt und als zwischen den einzelnen Wissenschaftsbereichen vermittelndes Spezifikum des Menschen dargestellt.

Die sich stets in historisch konstituierten sozialen Kontexten vollziehende intersubjektive Kommunikation strukturiert die normativ-handlungsanleitenden Wertmuster des Individuums und damit auch das Verhalten gegenüber den selbst wahrgenommenen evolutionär entstandenen Antrieben und Emotionen. Der Mensch ist damit kein ausschließlich seinen genetischen Prädispositionen ausgesetztes Naturwesen, da die Kultur und nicht zuletzt er selbst bestimmt, wie sich diese entfalten und wie handelnd mit ihnen umgegangen wird. Dies ist einerseits auf der Ebene ethischen Diskurses bedeutsam, da der Mythos vom genetisch bedingten Egoismus auf diesem Weg endgültig überwunden wird, und ermöglicht andererseits vielfältige interdisziplinäre Anschlussmöglichkeiten für den philosophischen Diskurs mit Biologie, Physik und Erkenntnistheorie.



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