Dissertation: Der Körper ´Form´ der Seele ´Poesie´ – Das strukturelle Prinzip in den Klavierliedern Franz Liszts

Der Körper ´Form´ der Seele ´Poesie´ –
Das strukturelle Prinzip in den Klavierliedern Franz Liszts

Studien zur Musikwissenschaft, Band 35

Hamburg 2015, 310 Seiten
ISBN 978-3-8300-8602-4 (Print/eBook)

Ästhetik, Analyse, Formenlehre, Franz Liszt, Harmonik, Klavierlied, Kunstlied, Musik und Gedicht, Musik und Sprache, Poesiebegriff, Tonartencharakteristik

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Liszt – ein Liederkomponist? Ja, er schrieb nicht nur rauschende Klaviermusik und Symphonische Dichtungen, sondern auch über 100 Lieder.

Dabei handelt es sich um äußerst ungewöhnliche formale Exemplare der Gattung ‘Kunstlied‘: Opernhafte musikalische Szenen stehen neben unbegleitetem Sologesang und virtuoser Pianistik. Warum?

Die Autorin untersucht, inwiefern Liszt gerade diese unkonventionellen Einzelgebilde einsetzt, um uns seine Botschaften zu vermitteln. Sie vertritt unter besonderer Berücksichtigung der Primärquellen folgende These:

Die neuartigen, jeweils individuellen Formen von Liszts Klavierliedern sind eine Konsequenz aus seinem Verständnis der poetischen Aufgabe von Musik.

Die Frage nach letzterer führt auf Liszts Einstellung zum Sinn von Musik überhaupt – für ihn existiert Musik keinesfalls als Selbstzweck, sondern sie soll dem Erreichen höherer, allgemein menschlicher Ziele dienen. ‘Poesie‘ ist nach Liszt in besonderer Weise geeignet, diesen ethischen Zwecken nahe zu kommen. Dass sie diese Aufgabe optimal erfüllen kann, ist an bestimmte Bedingungen gebunden, die im ersten Hauptteil genauer beleuchtet werden.

Der zweite Hauptteil hat die konkreten Lieder selbst zum zentralen Gegenstand. Selbstverständlich ist der Ausdruck von Musik nicht vollständig in Worte übersetzbar. Aber gesammelte Beobachtungen können für bestimmte, wiederholt eingesetzte musikalische Mittel mögliche Bedeutungsnuancen aufzeigen. Rezitative, Solokadenzen oder auch strophenartige Phänomene werden ebenso auf inhaltliche Entsprechungen zurückgeführt wie kleinere Bausteine der Rhythmik, Melodik, Harmonik oder Klangfarbe. Die Forschungen für diese Studie ließen sogar eine spezifische Tonartencharakteristik erkennen. Dieses ‘Vokabular‘ wird in einem eigenen Kapitel hergeleitet und dargestellt. Zwei Analysekapitel vollziehen die individuelle Formgebung nach: Stilprägende Techniken werden an je einem Lied dargestellt. Anhand der abschließenden Analysen dreier exemplarisch ausgewählter Lieder wird gezeigt, wie Liszt sie mithilfe der erläuterten Techniken strukturiert, wie er also die ‘Form‘ der Lieder als Manifestation ihrer ‘Poesie‘ erwachsen lässt.



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