Forschungsarbeit: Die Wikinger bei den Völkern des Ostens

Die Wikinger bei den Völkern des Ostens

Frauen und Sklavinnen im Krieg und im Totenkult

Schriften zur Kulturgeschichte, Band 34

Hamburg 2015, 316 Seiten
ISBN 978-3-8300-8568-3

Byzantinistik, Gefolgschaftskultur, Gender Studies, Jenseitsvorstellungen, Kiewer Rus, Kriegerinnen, Osteuropäische Geschichte, Skandinavistik, Sklavinnen, Totenfolge, Wikingerzeit

Zum Inhalt

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Die Autorin widmet sich in ihrer Studie der spannenden Epoche der gemeinsamen Geschichte Skandinaviens und Osteuropas in der Wikingerzeit, wobei sie immer wieder die gegenseitige kulturelle Beeinflussung und die Entstehung hybrider Kulturen hervorhebt und insbesondere das Schicksal von Sklavinnen beleuchtet. Es werden zwei Bereiche fokussiert: zum einen der Einsatz der Frauen als Heeresprostituierte, die auch einmal Gelegenheit erhielten, gemeinsam mit den Soldaten zu kämpfen und den Heldentod zu sterben und zum anderen bei der Bestattung von hochdekorierten Mitgliedern der Gefolgschaftskultur, wo sie sich in einem glamourösen Spektakel vor großem Publikum zur Verherrlichung der Oberschicht töten lassen durften.

Ingrid Peter ist Skandinavistin und betrachtet daher das von ihr gewählte Thema von dieser Warte aus. Sie schreibt von mythologischen Walküren und Schildmaiden und findet Parallelen zu den Kriegerinnen des 10. Jahrhunderts, die von Fürst Swjatoslav aus der Rurikiden-Dynastie der Kiewer Rus in seine letzte Schlacht geführt worden sind. Aus Heeresprostituierten wurden einer Not gehorchend auch Kämpferinnen.

Es hat den Anschein, dass der Brauch der Totenfolge bereits in Skandinavien ausgeübt wurde, wenngleich in beschränktem Ausmaß. Vermutlich wurde er von aus dem Nordschwarzmeergebiet heimkehrenden germanischen Stämmen im vierten Jahrhundert in den Norden verbracht. In der Gefolgschaftskultur der Rus, in der alle dort sesshaften Ethnien Aufnahme fanden, wurde er wesentlich häufiger befolgt und sollte als politisches Statement die sieghafte Kraft ihrer Mitglieder transportieren.

Die Bereitschaft der Sklavinnen, freiwillig den Helden- bzw. Opfertod auf sich zu nehmen, dürfte sich aus den Jenseitsvorstellungen der Zeit erklären lassen. Die Frauen wollten ihre Freiheit wiedererlangen und sei es nur in der Welt der Toten.

Der sehr authentisch und umfassend geschilderte Text beleuchtet die Geschehen und die sich darin abspielenden kulturellen und gesellschaftlichen Phänomene aus einer wissenschaftlich-objektiven Perspektive, wobei es die Autorin versteht, Komplexität und gute Verständlichkeit zu vereinen. Fremdsprachliche Passagen werden im Fußnotenapparat übersetzt. Das Buch bietet nicht nur fundierte Wissenschaft, sondern auch eine fesselnde Lektüre.

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