Doktorarbeit: Schnittstelle zwischen Mehrsprachigkeit und Sprachentwicklungsstörung

Schnittstelle zwischen Mehrsprachigkeit und Sprachentwicklungsstörung

Kasuserwerb deutsch-italienischer Kinder mit spezifischer Sprachentwicklungsstörung

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 200

Hamburg 2015, 412 Seiten
ISBN 978-3-8300-8409-9

Bilingualismus, Deutsch, Generative Syntax, Italienisch, Kasus, Kasuserwerb, Klinische Linguistik, Klinischer Marker, kumulativer Effekt, Romanistik, Spezifische Sprachentwicklungsstörung, Spracherwerb, SSES

Zum Inhalt

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Spezifische Sprachentwicklungsstörungen (SSES) betreffen in monolingualen wie in bilingualen Kontexten etwa 7% aller Kinder. Dennoch wird vielfach vermutet, dass mehrsprachig aufwachsende Kinder häufiger sprachentwicklungsgestört seien als einsprachig deutsche Kinder. Das Thema Mehrsprachigkeit wird mit wachsendem Interesse von Vertretern mehrerer Fachdisziplinen betrachtet. Mediziner, Linguisten, Soziologen, Sprachheilpädagogen, Politiker und andere beschäftigen sich gehäuft mit der zunehmenden Zahl von Migranten in Deutschland. Der Blick der Gesellschaft auf die Sprache der nun schon dritten in Deutschland lebenden Migrantengeneration ist dabei jedoch häufig ein eher negativer. Weitverbreitete Fehlannahmen können durch diese Studie widerlegt werden: Mehrsprachigkeit führe zu unvollständigem Spracherwerb, begünstige Sprachentwicklungsstörungen und kumuliere sich mit diesen zu einer doppelten Verzögerung.

Die Annahme einer doppelten Verzögerung auf Grund der Einflüsse von Mehrsprachigkeit (deutsch-italienisch) und SSES kann hier anhand von Daten dreier Longitudinalstudien sowie 45 Querschnittstudien für den Bereich des deutschen Kasuserwerbs zurückgewiesen werden.

Darüber hinaus erweist sich das grammatische Phänomen Kasus im monolingualen wie im bilingualen Bereich als klinischer Marker. Mit Hilfe des Dativerwerbs im Deutschen kann somit eine Unterscheidung zwischen ungestörter und sprachentwicklungsgestörter Population getroffen werden. Dies hat auch positive Implikationen für die sprachtherapeutische Praxis: Die Differentialdiagnostik bei mehrsprachigen Kindern kann durch klinische Marker erleichtert werden. Darüber hinaus implizieren die Ergebnisse dieser Studie für die Praxis, auch Eltern sprachentwicklungsgestörter Kinder nicht von mehrsprachiger Erziehung abzuraten. Mehrsprachigkeit hat keinerlei negative Effekte auf die Sprachentwicklungsstörung und führt nicht zwingend zu unvollständigem Spracherwerb.



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