Forschungsarbeit: Angst vor Deutschland – Mussolinis Deutschlandbild

Angst vor Deutschland – Mussolinis Deutschlandbild

Schriften zur Geschichtsforschung des 20. Jahrhunderts, Band 9

Hamburg 2015, 256 Seiten
ISBN 978-3-8300-8340-5

Rezensionen

[...] Die vielfältigen, quellennah recherchierten Facetten des Deutschlandbildes fügt Knigge unter zentralen Leitperspektiven zu einem in sich stimmigen Gesamteindruck zusammen.
[...] Angesichts dieser wechselseitigen, geschichtlich begründeten Hassliebe zwischen beiden Völkern vor allem bis 1945 ist es besonders verdienstvoll, dass der Autor nach seinem 2012 erschienen Buch »Hitlers Italienbild« nun das Deutschlandbild Mussolinis als das »entsprechende Pendant« vorlegt.
[...] Jobst Knigge hat ein sehr nutzerfreundliches Buch geschrieben. Selbst wenn es dem Fachmann kaum etwas Neues bietet, wird es der historisch interessierte Leser aufgrund seiner sorgfältig dokumentierten Fülle an Informationen nach der Lektüre mit Gewinn aus der Hand legen.

Bernd Jürgen Wendt, in:
Militärgeschichtliche Zeitschrift, MGZ 75/2 (2016)

[...] Man könnte sogar sagen, dass sich Hitler mit Mussolini aus Unkenntnis der italienischen Geschichte, Kultur und des Nationalcharakters sowie falscher Einschätzung seines Deutschlandbilds verbündete, Mussolini hingegen diesen Schritt trotz seiner genauen Kenntnis Deutschlands, seiner Sprache, Literatur und Geschichte sowie einer realistischen Einschätzung Hitlers tat. [...]

Frank-Rutger Hausmann, in:
Italienisch. Zeitschrift für italienische Sprache und Kultur, November 2015

Adolf Hitler, Benito Mussolini, Deutschlandbild, Faschismus, Friedrich Nietzsche, Nationalsozialismus, Rasse, Repubblica Sociale Italiana

Zum Inhalt

deutsch | english

Als Mussolini 1936 die Achse zwischen Rom und Berlin erklärte und drei Jahre später in ein Militärbündnis mit Deutschland eintrat, geschah dies nicht aus Liebe zu seinem nördlichen Nachbarn. Die vorherrschenden Gefühle des „Duce“ gegenüber Deutschland waren neben Bewunderung für die deutsche Kultur und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Angst, Bedrohung und Misstrauen. Seit der Kaiserzeit war das Reich für ihn ein Hort des Militarismus und des Expansionismus, der sich auch gegen Italien richtete. Im Ersten Weltkrieg predigte er Hass gegen das Reich und trug dazu bei, sein Land in den Krieg zu bringen.

Schon früh kam Mussolini in der Schweizer Emigration und im damals zu Österreich gehörenden Trient mit dem Deutschtum in Berührung, und er erlernte die deutsche Sprache. Es entstand ein echtes, lebenslanges Interesse an deutschen Schriftstellern, Dichtern und Philosophen. So sehr er die Kultur schätzte, so reserviert und ablehnend war er jedoch gegenüber den Deutschen als Volk. Er kritisierte Maßlosigkeit, Kompromisslosigkeit, Starrköpfigkeit, Phantasielosigkeit, Pedantik, Fehlen von Menschlichkeit – ganz allgemein: das „Streben nach dem Absoluten“. Germanismus und Latinität hielt er für absolute Gegensätze und für unvereinbar.

In der Weimarer Republik sah er unterschwellig die Kräfte des Militarismus und des „Pangermanismus“ fortbestehen. Er fürchtete, dass Italien das gerade gewonnene, mehrheitlich deutschstämmige Südtirol wieder verlieren könnte. Lange bekämpfte er den „Anschluss“ Österreichs, weil die Alpenrepublik als Bollwerk gegen das weiter gefürchtete Reich dienen sollte. Lange wies der „Duce“ auch Hitlers Anbiederungen an Italien zurück. Erst die internationale Isolation nach dem Äthiopienkrieg trieb ihn in die Arme Hitlers. Darüber, dass er immer mehr in die Abhängigkeit Deutschlands geriet, kam es zu Wutausbrüchen gegen die Deutschen.

Die Entscheidung Roms, in den Krieg einzutreten, war auch mit der Furcht begründet, Hitler allein das Feld zu überlassen. Trotz aller Rückschläge hielt Mussolini in einer Art Nibelungentreue am Bündnis mit Hitler fest. Zum Schluss musste er ohnmächtig zusehen, wie genau das geschah, was er immer befürchtet hatte: Große Teile Italiens wurden von den Deutschen besetzt und die nördlichen Randgebiete als sogenannte Operationszonen praktisch annektiert.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben