Dissertation: Johann Christian Krüger – Kulturkritik und Kulturtransfer durch Theaterpraxis im 18. Jahrhundert

Johann Christian Krüger –
Kulturkritik und Kulturtransfer durch Theaterpraxis im 18. Jahrhundert

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 137

Hamburg 2015, 386 Seiten
ISBN 978-3-8300-8292-7 (Print/eBook)

18. Jahrhundert, Arabische Literatur, Aufklärung, Aufklärungspoetik, Auflösungserscheinung, Gottsched, Interkulturalität, Intermedialität, Johann Christian Krüger, Kalila und Dimna, Kulturkritik, Kulturtransfer, Literaturwissenschaft, Moralkritik, Orient, Pietismus, Tausend und eine Nacht., Theaterpraxis, Theatertheorie, Übersetzung, Übersetzungstheorien, Vergleichende Literaturwissenschaft

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„Wirklich hat unsere Bühne viel an Krügern verloren. Er hatte Talent zum Niedrigkomischen, wie seine Kandidaten beweisen“, schreibt Lessing über Johann Christan Krüger in seiner Hamburgischen Dramaturgie Nr. 83.

Der Name Johann Christian Krüger ist für viele vielleicht unbekannt und erscheint nur selten in großen Lexikographen für deutsche Dichtern des 18. Jahrhunderts. Das Buch versucht sich mit Krügers Bedeutung nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Theaterdichter bzw. Theaterreformer und Übersetzer für die deutsche Komödie vor Lessing auseinanderzusetzen.

Trotz der unterschiedlichen Bewertungen der Position des Krügerschen Werks kommt Krügers dramatischem Schaffen aus verschiedenen Gründen eine zentrale Stellung unter den Aufklärungskomödien zu. Das dramatische Werk wurde sogar als eine Art „Brückenelement“ zwischen der Frühaufklärung und Lessing betrachtet, besonders wegen seinem oppositionellen Charakter.

Anliegen der Untersuchung ist es, den früh gestorbenen J. C. Krüger (1723 – 1750) in der Analyse und theatergeschichtlichen, literarischen sowie ideengeschichtlichen Verortungsrolle der Dramen und poetologischen Schriften als einen wichtigen Vertreter der deutschen Komödie des 18. Jahrhunderts zu begründen.

Aufgrund der defizitären Lage der Sekundärliteratur zu Krüger betritt die Autorin in vielen Punkten Neuland. Die Argumentation stützt sich dabei auf vier Punkte: die von Krüger entworfene Mischform der Komödie in Zusammenhang mit seiner Theaterpraxis, die Neufunktionalisierung des Harlekins, die Analyse der in seinen Werken enthaltenen regelbrechenden gesellschaftspolitischen Kritik, auf eine kulturtheoretische Interpretation seiner Übersetzungspraxis besonders im Bezug auf seine Tendenz zur Kultivierung der deutschen Bühne durch Mehrsprachigkeit.

Seine Lustspiele zeigen eine programmatische Vielfalt an Lustspielformen, die zum einen das Begehren Krügers, unterschiedliche Formen zu probieren, unterstreicht und gleichzeitig auch eine Tendenz widerspiegelt, die Krüger als einen Pionier einer Kombinationsform auszeichnet. Vor dem Hintergrund dieser Konstellation leitet sich der Anstoß zur Thematik ab: In den ausgewählten Werken Krügers zeigt sich eine neue Form der Komödie und damit ein erneuertes Theaterwesen. Diese Zwiespältigkeit lässt sich anhand seiner Lustspiele am besten beweisen, da diese nicht nur viele Merkmale der unterschiedlichen Typen der sächsischen Typenkomödien beinhalten, sondern auch eine Menge von Anlehnungen an die Commedia dell‘arte, an das Theatre Italien und Elemente des rührenden Lustspiels enthalten. Die Werke schweben zwischen diesen Theatertraditionen und haben eine besondere Kombination erschaffen, die keinem Typus zuzuordnen ist, ja sogar gegen die traditionelle Typologie der Aufklärungskomödie antritt. Das verleiht seinem Lustspielwerk einen einzigartigen, ja visionären Charakter, da seine Lustspiele die typischen Aufklärungskomödien auflösend in Richtung Sturm und Drang vorrücken. Ein formales Interesse gilt diesbezüglich den theatertheoretischen Vorspielen Krügers. Die Bedeutung der Vorspiele liegt hauptsächlich darin, dass sie auf die programmatischen Äußerungen über die dramatische Kunst sowie auf die Absichten Krügers und das Selbstverständnis der Schönemannschen Truppe Licht werfen. Dieses Vorangehen unterscheidet Krügers Reform auch von Gottscheds. Während Gottsched nur nach Regeln suchte, suchte Krüger nach Vielfalt. Wichtig für Krüger war jedoch, in dieser Vielfalt seinen eigenen nationalen Charakter nicht zu verlieren. Vielmehr sollte man lernen, sich durch die Vielfalt selbst zu modellieren bzw. sich selbst zu profilieren. In diesem Kontext haben Übersetzungen eine bedeutende Rolle gespielt, insbesondere bei der interkulturellen Vernetzung, die hauptsächlich durch Mehrsprachigkeit erzeugt wurde. Zugunsten des Theaters angekündigt. Anhand von Beispielen wurde aufgezeigt, inwiefern ein arabischer Text nicht nur mit neuen kulturbedingten Modifikationen neu gesehen werden kann, sondern wie sich dieser Text auch in einen fremden Text verwandelt und folglich ganz andere interkulturelle Bedeutungen entfalten kann. Das Buch wird Aspekte dieser interkulturellen Verhältnisse behandeln, wie sie in der, Literatur und Schrifttum der Aufklärungszeit reflektiert wurden. Dabei sollte Johann Christian Krüger von der Reihe der unbekannten Theaterdichter des 18. Jahrhunderts zur Reihe der wichtigsten Vertreter der deutschen Komödie des 18. Jahrhunderts gestellt werden.



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