Doktorarbeit: … und hiengen in an einem boum – Schuld und Sühne im Spiegel der Zeit

… und hiengen in an einem boum – Schuld und Sühne im Spiegel der Zeit

Untersuchungen zur produktiven Helmbrecht-Rezeption im neueren deutschen Drama

Studien zur Germanistik, Band 53

Hamburg 2015, 478 Seiten
ISBN 978-3-8300-8225-5

Dramentheorie, Ernst Ege, Eugen Ortner, Fritz Hochwälter, Helmbrecht, Helmbrechtbearbeitungen, Herrmann Mostar, Mediävistik, Mittelalterrezeption, Neuere deutsche Literatur, Rezeption, Robert Walter, Schuld und Sühne, Wernher der Gärtner

Zum Inhalt

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Der Helmbrecht Wernhers des Gärtners ist wohl eines der ungewöhnlichsten und interessantesten Werke spätmittelalterlicher Literatur. Das Märe über den Bauernsohn, der Ritter werden will und am Galgen endet, erregte großes Interesse in der germanistischen Forschung, das bis heute nicht abgenommen hat. Das Werk erfuhr jedoch nicht nur eine wissenschaftliche Rezeption, auch in literarischen Kreisen wurde es außergewöhnlich oft rezipiert. So entstanden neben einigen Nacherzählungen 19 Dramen, die die Geschichte des Helmbrecht aufgreifen und diesen hochmütigen Bauersohn auf der Bühne zeigen. Während einige der Helmbrecht-Adaptionen durchaus Beachtung in der Forschung gefunden haben, ist vorliegende Studie die erste übergreifende Darstellung.

Bei der Beschäftigung mit der literarischen Rezeption des Helmbrecht sind zwei Tatsachen auffällig: Zum einen verwundert das große Übergewicht an Helmbrecht-Dramen im Gegensatz zu epischen Bearbeitungen. Zum anderen fällt auf, dass alle Adaptionen zwischen 1900 und 1966 entstanden sind. Dies legt folgende Fragen nahe: Gibt es zeitgeschichtliche Gründe, die ein Aufgreifen gerade dieses mittelalterlichen Stoffes bedingen? Kann eine solche Rezeption überhaupt auf gesellschaftliche und soziale Umstände zurückgeführt werden? Gibt es einen Grund für das Übergewicht an dramatischen Bearbeitungen? Und nicht zuletzt – auf welche Weise wird der Stoff in der jeweiligen Zeit wieder aufgegriffen? Diesen Fragen geht die Studie zur Helmbrecht-Rezeption nach.

Dabei nähert sie sich dem Untersuchungsgegenstand von drei Seiten her. Das erste Kapitel widmet sich der Umsetzung des Stoffes in einer neuen Gattung, dem Drama, auf dramentheoretischer Basis. Das zweite Kapitel untersucht die Helmbrecht-Bearbeitungen in Einzelanalysen und stellt stoffliche Änderungen und interpretatorische Neuansätze der modernen Autoren im Gegensatz zu Wernher dar. Hierbei wird ein Schwerpunkt auf das Thema der menschlichen Schuld gelegt, das die Dramen und ihre Vorlage, den mittelhochdeutschen Wernher, miteinander verbindet. Das dritte Kapitel ordnet die Dramen in ihren sozialen, gesellschaftlichen und zeitgeschichtlichen Hintergrund ein und erklärt die Neuansätze der modernen Autoren aus diesem Hintergrund heraus.

So entsteht eine umfassende Darstellung der produktiven Helmbrecht-Rezeption, die nicht nur die einzelnen dramatischen Bearbeitungen untersucht, sondern übergreifend nach dem Wie und Warum der Rezeption von Wernhers Dichtung fragt.



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