Doktorarbeit: Der Beitrag des AVEM zur Vorhersage von Gesundheitsentwicklung und Wiedereingliederung bei Bildungsleistungen in der beruflichen Rehabilitation

Der Beitrag des AVEM zur Vorhersage von Gesundheitsentwicklung und Wiedereingliederung bei Bildungsleistungen in der beruflichen Rehabilitation

Schriftenreihe Gesundheitswissenschaften, Band 6

Hamburg 2014, 222 Seiten
ISBN 978-3-8300-8173-9 (Print/eBook)

Arbeitsbezogenes Bewältigungsmuster, Arbeitsleben, AVEM, Betriebliche Gesundheitsförderung, Burnout, Coping, Gesundheitsprognose, Heilpädagogik, Rehabilitation, Rehabilitationswissenschaft, Resilienz, Return to work, Salutogenese, Stress, Teilhabe

Zum Inhalt

Der Fragebogen „Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster“ (AVEM) von Schaarschmidt und Fischer wurde entwickelt, um frühzeitig psychische Gesundheitsrisiken für Erwerbstätige zu erkennen. Seit seinem Erscheinen im Jahr 1996 hat er im deutschsprachigen Raum zunehmende Verbreitung gefunden und wird sowohl in Prävention als auch Rehabilitation häufig eingesetzt. Es wurden vielfach Zusammenhänge zwischen AVEM-Ergebnissen und psychischen Beschwerden gefunden. Dennoch liegen bislang keine Studien zur Vorhersage von Gesundheitsentwicklungen und Teilhabechancen vor. Dies ist aber von entscheidender Bedeutung, wenn mit dem Instrument „Risiken“ erkannt werden sollen und nicht lediglich bereits manifestierte Probleme. In dieser Studie wird untersucht, inwieweit der AVEM-Fragebogen einen Beitrag zu einer solchen Vorhersage leisten kann. Die Studie wurde über einen Zeitraum von vier Jahren unter Beteiligung von insgesamt 500 Rehabilitandinnen und Rehabilitanden durchgeführt, die eine zweijährige Qualifizierung durchliefen.

Die Analysen zeigen, dass Personen des „Burnout-Typus“ in der beruflichen Rehabilitation am häufigsten anzutreffen sind. Liegt es zu Rehabeginn vor, dann attestieren Vorgesetzte im Betriebspraktikum 1 ½ Jahre später eine geringe Belastbarkeit. Liegt ein stark ausgeprägtes „Burnoutmuster“ vor, dann besteht ein erhöhtes Rehaabbruchsrisiko. Die Auswertungen zeigen auch, dass ein Risikomuster („Überengagiert“ oder „Burnout“) prädiktiv für eine ungünstige psychische Gesundheitsentwicklung ist und das Risiko für somatische Beschwerden erhöht.

Entgegen der Erwartung kann für zweijährige Qualifizierungen keine Bedeutung des AVEM-Musters zu Rehabeginn für die Wiedereingliederungschancen bis zu einem Jahr nach Rehaende festgestellt werden. Personen, die zum Rehaende ein Risikomuster aufweisen, sind aber ein Jahr später im Falle einer Wiedereingliederung im Vergleich zu Personen mit Nichtrisikomuster („Gesunde“ und „Schutzmuster“) häufiger unsicher, ob sie die ausgeübte Tätigkeit gesundheitlich auch weiterhin ausüben können.

Die Ergebnisse sprechen insgesamt dafür, dass der AVEM eine prognostische Relevanz für die Belastbarkeit im Umschulungs- und Berufsalltag hat, nicht aber für die zeitnahe Erlangung eines Arbeitsplatzes nach einer Qualifizierung. Hierfür sind nach den Studienergebnissen der Arbeitsmarkt, der Standort des Bildungsträgers und der subjektive Gesundheitsstatus bedeutsam. Allerdings liefert die Studie Anhaltspunkte dafür, dass bei AVEM-Risikomustern eine Gefährdung der dauerhaften Wiedereingliederung besteht. Eine AVEM-gestützte Verhaltens- und Verhältnisprävention könnte gegensteuern.



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