Doktorarbeit: Evidenzbasierte Leitlinien – ein Instrument zur Steigerung der Qualität im Gesundheitswesen?

Evidenzbasierte Leitlinien – ein Instrument zur Steigerung der Qualität im Gesundheitswesen?

Ein interaktionstheoretischer Beitrag zur Versorgungsforschung

Gesundheitsmanagement und Medizinökonomie, Band 37

Hamburg 2014, 224 Seiten
ISBN 978-3-8300-8023-7

Anreize, Arzt, Gesetzliche Krankenversicherung, Gesundheitsökonomie, Gesundheitswesen, Gesundheitswissenschaft, Informationsasymmetrien, Interaktionstheorie, Leitlinien, Patient, Patientenorientierte Qualitätssicherung, Patientenpräferenzen, Patientensouveränität, Versorgungsforschung, Versorgungsqualität

Zum Inhalt

Steigende Gesundheitskosten, ein ungleicher Zugang zu Gesundheitsleistungen und regional unterschiedliche Versorgungsergebnisse beherrschen die öffentliche Diskussion. Eine zentrale Bedeutung bei der Lösung dieser gesundheitspolitischen Problemfelder wird evidenzbasierten Leitlinien zugesprochen. Sie sollen zu einer langfristigen Finanzierbarkeit von Gesundheitsleistungen und zur Sicherung der Versorgungsqualität beitragen.

Das vorliegende Werk geht der Frage nach, welche Effekte für die Qualität der Versorgung von evidenzbasierten Leitlinien tatsächlich zu erwarten sind. Der Fokus der Betrachtung richtet sich hierbei auf die Austauschbeziehungen zwischen Patient, Arzt und Krankenkasse im System der Gesetzlichen Krankenversicherung. Es wird aufgezeigt, dass sich durch das Bestehen von wechselseitigen Informationsasymmetrien und infolge fehlender Anreize diskretionäre Handlungsspielräume für die Interaktionspartner eröffnen, die dazu führen, dass das Versorgungsgeschehen von Über-, Unter- und auch Fehlversorgung gekennzeichnet ist. Unter Zuhilfenahme des interaktionstheoretischen Analyseinstrumentariums wird untersucht, inwieweit Leitlinien Informationsgefälle abbauen und eine Koordination konträrer Interessen von Patient, Arzt und Krankenkasse bewirken können. Die bloße Existenz von evidenzbasierten Leitlinien wird jedoch noch nicht zur Überwindung der existenten Qualitätsdefizite führen. Der Einsatz von Leitlinien kann zudem mit Risiken für die Qualität der Versorgung verbunden sein. Dies wird insbesondere dann der Fall, wenn die Erstellung und Implementierung von Leitlinien sowie die Bewertung der erzielten Effekte ohne Berücksichtigung der Patientenpräferenzen erfolgt.

Es werden deshalb Handlungsempfehlungen für die Implementierung und Evaluationen von Leitlinien erarbeitet, die zu einer Steigerung der Souveränität des Patienten führen und die Anreizsituation der Interaktionspartner dahingehend modifizieren, dass Leitlinien als Entscheidungsgrundlage sowie zur Kontrolle der Leistungserbringung herangezogen werden. Hierzu zählen die leitliniengestütze Kalkulation einer Pauschale, die dem Patienten für die Finanzierung der von ihm präferierten Leistungen ausbezahlt wird



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