Dissertation: Bauarbeiten am „Fundament der Gesellschaft“

Bauarbeiten am „Fundament der Gesellschaft“

Christdemokratische Familienpolitik in der Ära Kohl (1973–1998)

Studien zur Zeitgeschichte, Band 93

Hamburg 2014, 386 Seiten
ISBN 978-3-8300-7852-4

Rezension

[...] Die sorgfältig aufgebaute Studie [...] regt dazu an, das Thema für die Gegenwart politikwissenschaftlich fortzuspinnen. Vor allem stellt sich die Frage nach der Zukunft der Volkspartei. Die Familienpolitik der CDU in der Ära Kohl zeigt die gewaltige Bandbreite der Partei, das Ringen der innerparteilichen Kräfte und Organisationen um einen abgewogenen Kurs, der zwar interessenorientiert ist, aber auch lIon einem normativen Kompassgeleitet wird. Der Blick auf die Gegenwart weckt nostalgische Gefühle. Von der Lebendigkeit der programmatischen Diskussion in der Hochzeit der Ära Kohl kann man heute nur träumen.

Wolfgang Jäger, in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2015

CDU, Demografie, Erziehungsgeld, Familienlastenausgleich, Familienpolitik, Frauenpolitik, Heiner Geißler, Helmut Kohl, Kindergeld, Kohl, Neueste Zeitgeschichte, Regierung Kohl, Sozialpolitik, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Wahlfreiheit, Zeitgeschichte

Zum Inhalt

Während der Ära Kohl war die Familienpolitik ein zentraler Bestandteil der Gesellschaftspolitik der Union. Auf der Grundlage zahlreicher bislang unzugänglicher Quellen stellt das Buch „Bauarbeiten am „Fundament der Gesellschaft“ einen integrierenden Ansatz bereit, der die losen Enden der Forschungsansätze zur Familienpolitik aus historischer Perspektive aufgreift und zusammenführt. Die Publikation bietet erstmals eine analytisch klare und umfassende historische Untersuchung des Politikfeldes für die siebziger bis neunziger Jahre, die zugleich das Verständnis für die Sozial- und Gesellschaftspolitik jener Zeit wesentlich erweitert.

Die Untersuchungsschwerpunkte bilden zum einen die Aushandlungsprozesse, die Akteure und die Entscheidungsfindung zur Familienpolitik innerhalb der Union und der Regierungskoalition. Betrachtet wird dabei der Zeitraum der CDU/CSU-Oppositionszeit von 1973 bis 1982 und die Zeit der schwarz-gelben Koalition 1982 bis 1998. Zum anderen untersucht der Autor die äußeren Einflussfaktoren auf die christdemokratische Familienpolitik.

Der Autor zeigt erstmals, wie stark die Familienpolitik von einer inhaltlichen Neuorientierung der CDU in der Oppositionsphase geprägt wurde. Besonders der Streit um die Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch in den frühen siebziger Jahren beeinflusste dabei die entstehenden Konzepte. In einer kurzen Phase von 1984 bis 1985 setzte die Regierung Kohl, angetrieben von einer breiten familienpolitischen Koalition, weite Teile des in den siebziger Jahren erarbeiteten Programmes um. Zentrale Elemente waren hier die Einführung eines Erziehungsgeldes und eines Erziehungsjahres in der Rentenversicherung. Er legt eindrücklich dar, dass die Jahre 1990 bis 1998 besonders stark von äußeren Faktoren geprägt waren. Das Bundesverfassungsgericht nahm mit einer Reihe von Urteilen entscheidenden Einfluss auf die Familienpolitik. Die deutsche Einheit ging mit finanziellen Belastungen einher, welche die Beschränkung sozialpolitischer Leistungen durch die Haushaltslage noch dominanter machte. Systematisch zeigt das Werk die Verbindung der Familienpolitik mit anderen gesellschaftspolitischen Bereichen. Neben der Abtreibungsdebatte war auch Frauenpolitik der Union untrennbar mit der Familienpolitik verbunden.

Die starken Parallelen zwischen den aktuellen familienpolitischen Diskussionen und den Debatten der vergangenen Jahrzehnte zeigen, wie beständig die entscheidenden Fragen in diesem Politikfeld sind. Diese Geschichte der christdemokratischen Familienpolitik in der Ära Kohl leistet deshalb auch einen Beitrag, heutige Konflikte und Diskussionen besser zu verstehen.



Sie wollen Ihre Dissertation veröffentlichen?

nach oben