Forschungsarbeit: Knochenfunde im Wattenmeer

Knochenfunde im Wattenmeer

Forschungsergebnisse aus dem Institut für Rechtsmedizin der Universität Hamburg, Band 24

Hamburg 2013, 90 Seiten
ISBN 978-3-8300-7555-4 (Print & eBook)

Anthropologie, Bredstedt, Friesland, Knochenfunde, Mandränke, Norderoog, Nordseeküste, Rechtsmedizin, Wattenmeer

Zum Inhalt

Sensationelle Knochenfunde im Watt

Wir schreiben das Jahr 1963, direkt nach der großen Sturmflut von 1962. Ein unorthodoxer Biologiestudent aus Heidelberg betätigt sich im Watt der Nordsee als Amateur-Archäologe. Dabei macht er spannende und überraschende Entdeckungen: Zuerst findet er im Watt bei Niedrigwasser nur wenige Meter von seiner Vogelwarthütte auf Norderoog entfernt eine offensichtlich uralte graue Tonscherbe. Das „Naturzentrum Mittleres Nordfriesland in Bredstedt“ schreibt später, dass das Gefäß in der großen Flut 1634, also der 2. Großen Mandränke, wie sein Besitzer untergegangen sei. Aber es wird noch spannender: Ein paar Tage später entdeckt der neugierige Student nahe bei der Fundstelle der Gefäßscherbe zwei Knochen, die nur wenig aus dem Schlick herausragen und von ihm erst richtig freigelegt werden müssen: Ein eindeutig menschliches Schienbein und ein Beckenknochen. Dass die Knochen schon sehr lange im Watt stecken, ist an ihrer „Patina“ sofort ersichtlich.

Die Rechtsmediziner aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und die mit ihnen eng kooperierenden wissenschaftlichen Partner haben sich 50 Jahre später beim „Lesen“ in den Knochen viele archäologische und anthropologische Fragen gestellt. Die Antworten werden hier gegeben. Mit Hilfe modernster Bildgebung, Mikroskopie und Molekularbiologie hat das interdisziplinäre Forscherteam versucht, das Geheimnis der beiden Knochen aus dem Watt von Norderoog zu lüften. Mittels der Radiocarbondatierung wurde das Schienbein (einer jungen Frau) in das 13. Jahrhundert datiert. – Genau 50 Jahre nach dem Fund der Knochen hat das „Naturzentrum Mittleres Nordfriesland in Bredstedt“ eine echte archäologische Rarität und Spur des nordfriesischen Menschenschlags aus der Zeit der großen Flutkatastrophen zu präsentieren.



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