Doktorarbeit: Kurt Gauger (1899–1957): Psychotherapeut, Filmschaffender, Literat

Kurt Gauger (1899–1957): Psychotherapeut, Filmschaffender, Literat

Schriften zur Medizingeschichte, Band 5

Hamburg 2014, 220 Seiten
ISBN 978-3-8300-7539-4 (Print/eBook)

Carl Gustav Jung, Deutsches Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie, Geschichte der Psychotherapie, Göring Institut, Heimkehrerkrankheit, Kriegsheimkehrerproblematik, Neue Deutsche Seelenheilkunde, Psychosomatik, Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (RWU), Reichsstelle für den Unterrichtsfilm (RfdU), Schulfilmbewegung, Stacheldrahtkrankheit

Zum Inhalt

Kurt Gauger (1899-1957) war ein deutscher Arzt, Psychotherapeut, Funktionär und Schriftsteller, der sich im Verlauf seiner beruflichen Karriere in diversen Themenbereichen betätigt und profiliert hat. Medizin-historisch bedeutsam war in erster Linie seine Mitarbeit in der Aufbau?phase des Deutschen Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie (Göring Institut) und seine Rolle bei der Entstehung der sogenannten Neuen Deutschen Seelenheilkunde unter nationalsozialistischer Herrschaft Mitte der 30er Jahre. Desweiteren spielte er eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung des Unterrichtsfilms als pädagogisches Medium in seiner Funktion als Präsident der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht von 1936 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. In der Nachkriegszeit machte er sich einen Namen als Leiter eines Heimkehrerkrankenhauses. Seine Lesart des neuartigen Krankheitsbildes der „Heimkehrerkrankheit“ bei ehemaligen Kriegsgefangenen unter psychosomatischen Gesichtspunkten erregte Anfang der 50er Jahre internationales Aufsehen. Nebenbei wirkte Gauger bei der Entstehung mehrerer Spielfilme mit und veröffentlichte zahlreiche Schriften, sowohl Fach- als auch Unterhaltungsliteratur.

Dieses Buch bietet erstmals eine umfassende Darstellung und kritische Bestandsaufnahme von Kurt Gaugers Leben unter angemessener Berücksichtigung des zeitgeschichtlichen Kontexts. Auf Grundlage der verfügbaren Archivalien wird Gaugers Lebensweg vor dem Hintergrund von drei Epochen deutscher Geschichte – Weimarer Republik, Drittes Reich und Nachkriegszeit – nachgezeichnet. Die verschiedenen Themenkomplexe von Gaugers beruflicher Tätigkeit, insbesondere die Entwicklung der Psychotherapie im Dritten Reich, die Anfänge der Schulfilmbewegung und die Kriegsheimkehrerproblematik in den 50er Jahren werden ausführlich dargestellt und Gaugers jeweilige Rolle beleuchtet.

Neben der Schilderung des Lebenslaufs unter beruflichen Gesichtspunkten werden auch persönliche Aspekte aus Gaugers Biographie behandelt. Sein bewegtes Leben mit den Lehrjahren zu Zeiten der Weimarer Republik, dem rasanten Aufstieg nach der nationalsozialistischen Machtergreifung, der jahrelangen Internierung nach dem Zusammenbruch des Regimes 1945, dem Entnazifizierungsprozess und dem mühsamen Neuanfang im Westdeutschland der Nachkriegszeit wird anhand von zahlreichen Primärquellen lebendig. Kennzeichnend für Gaugers Einstellung und sein Verhalten ist die hochgradig ambivalente Mischung aus Opportunismus, Idealismus, professionellem Ehrgeiz, moralischen Bedenken und persönlicher Eitelkeit, die einerseits den Autor zum Verzicht auf eine abschließende Bewertung veranlasst, andererseits aber auch die Beschäftigung mit Gaugers Leben und Werk spannend und lehrreich macht.



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