Forschungsarbeit: Korrektive Phonetik

Korrektive Phonetik

Ein theoretischer Ansatz

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 178

Hamburg 2013, 630 Seiten
ISBN 978-3-8300-7279-9

Rezension

[...] Insgesamt bietet das Buch einen interessanten und vollständigen Überblick über die verschiedenen Aspekte, die für eine praktische Ausspracheschulung relevant sind. [...] ist der Text für all diejenigen, die sich thematisch mit der Ausspracheschulung auseinandersetzen möchten, ein empfehlenswerter Beitrag.

Clémentine Abel, in:
Beiträge zur Fremdsprachenvermittlung, BzF 55/2015, S.117-118

Angewandte Linguistik, Aussprachelehre, Deutsch als Fremdsprache, Digitale Didaktik, Fremdsprachenerwerb, Interlinguale Interferenz, Phonetik, Schwierigkeitsprogression, Sprachpsychologie, Suprasegmentalie

Zum Inhalt

deutsch | english

Das Buch – schon wegen seiner umfassenden Substanz und Argumentationsstärke beachtenswert – ist ein essenzieller Beitrag zur theoretischen Debatte über Ausspracheerwerb und Aussprachevermittlung. Auf der Basis einer umfangreichen Fachliteratur nimmt der Autor zu gängigen theoretischen Konzepten Stellung, hinterfragt geläufige Meinungen, unterstreicht die multikausale Natur der Fehlleistungen im Aussprachebereich, verweist auf eine wesentliche Rolle der außerlingualen Faktoren und auf ihre gravierenden didaktischen Implikationen. Sehr aufschlußreich und intellektuell anregend sind seine Vorbehalte in der Interferenzfrage sowie seine innovativen Überlegungen zur Schwierigkeitsprogression bei der Aussprachevermittlung.

Der theoretische Standort des Autors ist durch seine Auffassung der ‘Korrektur‘ im Aussprachebereich und durch die Erklärung des sprechphysiologischen Widerstands zur Hauptursache der Ausspracheprobleme profiliert. Die Rolle der Kognition und des psychologischen Faktors wird dabei nicht negiert. In Frage gestellt werden aber die im Schrifttum stark vertretenen Thesen (a) über die mit verschiedenen Termini belegte Perzeptionsbasis, die als phonologischer Charakter des Gehörs, Hörmatrize, muttersprachliche Hörgewohnheiten u.dgl. apostrophiert wird, und (b) über die sog. Artikulationsbasis, die als vager Begriff ohne deskriptiven Nutzen und Erklärungswert jedweder praktischen Relevanz entbehrt. Nicht unbemerkt bleibt auch das unterrichtsmethodische Rationalisierungskonzept des sog. phonetischen Minimums.

Das Aufkommen der Digitaltechnik hat im Bildungsbereich eine Chance auf einen schier revolutionären methodischen Fortschritt gebracht. Der Autor ermahnt zum gemäßigten Optimismus und argumentiert, die Spezifik des Phänomens Aussprache lasse mit motivationalen Maßnahmen im Hinblick auf die Lernerautonomie keine großen Erwartungen verknüpfen und keinen absolut erfolgreichen Einsatz elektronischer Aussprachetrainer erhoffen, zumal einwandfreie Diagnose und Unterweisung in der praktischen Phonetik keine Domäne der apparativen Hilfsmittel seien.

Ansichten, mit denen sich der Verfasser identifiziert, und solche, denen er polemisch begegnet, werden mit zahlreichen Zitaten belegt, so daß die Abhandlung einen komplexen, stark fundierten Überblick über die anzutreffenden Meinungen bietet und auch als Studienbuch durchaus geeignet wäre. Ein breit ausgebautes Sachverzeichnis verleiht der Publikation Züge eines Nachschlagewerkes.



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