Forschungsarbeit: Ein „wilder Analytiker“: Leben und Werk des Hans von Hattingberg 1879–1944

Ein „wilder Analytiker“: Leben und Werk des Hans von Hattingberg 1879–1944

Schriften zur Medizingeschichte, Band 3

Hamburg 2013, 298 Seiten
ISBN 978-3-8300-6861-7 (Print/eBook)

Rezension

[...] Keifenheim bietet viele wertvolle Informationen über eine zentrale Gestalt der deutschen Psychotherapiegeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, für die ihr das interessierte Publikum Dank schuldet.

Michael Schröter, in:
Luzifer-Amor, 53, 1/2014

Deutsches Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie, Geschichte der Medizin, Geschichte der Psychoanalyse, Geschichte der Psychoanalytik, Hans von Hattingberg, Medizingeschichte, Nationalsozialismus, Neue Deutsche Seelenheilkunde

Zum Inhalt

Hans von Hattingberg, geboren am 18.11.1879 in Wien, wird heute vor allem mit dem Deutschen Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie in Verbindung gebracht. Hier befasste er sich ab 1936 mit der „Neuen Deutschen Seelenheilkunde“ und der Erarbeitung von „Thesen zur Neurosenlehre“. Interessanterweise war Hattingberg bis 1932 eher eine Randfigur in der Psychotherapeutenszene gewesen. Vielen galt er als unbelehrbarer Querulant. Erst nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erlangte Hattingberg innerhalb weniger Jahre zunehmend akademische und öffentliche Bekanntheit, und ihm wurden wichtige Positionen und Ämter angetragen.

Das Buch stellt erstmals Leben und Werk Hans von Hattingbergs systematisch dar. Dabei wird viel Wert darauf gelegt, zentrale Aspekte des Werkes im Zusammenhang mit wichtigen lebensgeschichtlichen und zeithistorischen Entwicklungen zu betrachten. Hierfür wurde der umfangreiche Nachlass Hattingbergs, der bisher geteilt gewesen war, vereinigt, erschlossen und katalogisiert. Viele bisher unveröffentlichte Quellen aus dem Nachlass, aber auch aus zahlreichen Archiven, wurden für die Studie ausgewertet. Persönliche Erinnerungen der Nachkommen Hattingbergs sowie zahlreiche Privatbriefe lassen ein facettenreiches und vielschichtiges Bild des „wilden Analytikers“ entstehen.

Besondere Berücksichtigung findet Hattingbergs Haltung zu Sigmund Freud und zur Psychoanalyse vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts. Auch seine Position gegenüber dem erstarkenden Nationalsozialismus findet eingehende Betrachtung.

Neben der „Neuen Deutschen Seelenheilkunde“, die im Spätwerk Hattingbergs viel Raum einnimmt, werden auch seine theoretischen Arbeiten der 20er und 30er Jahre sowie seine Arbeiten zum Themenkomplex Liebe und Ehe ausführlich dargestellt.



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