Forschungsarbeit: Kaufleute – Abenteurer – Sammler

Kaufleute – Abenteurer – Sammler

Die Brüder Carl Friedrich und Carl Wilhelm Rosset und die ethnographische Wissensproduktion in Freiburg, 1867–1895

Schriften zur Ideen- und Wissenschaftsgeschichte, Band 13

Hamburg 2014, 118 Seiten
ISBN 978-3-8300-6829-7 (Print/eBook)

Rezension

[...] Von einem Inventarisierungsprojekt ausgehend, gelang es der Autorin nicht nur, ein spannendes Stück Freiburger Stadtgeschichte aufzufächern, sondern durch die Kontextualisierung mit den gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Strömungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch ein aufschlussreiches Beispiel für das Entstehen des Fachs "Ethnologie" und für die Sammlungspraxis an den neu gegründeten völkerkundlichen Museen zu geben. Eingebettet sind die Untersuchungen zur Sammlung Rosset in Überlegungen zur Bewertung der damaligen Sammlungspraxis und zum Umgang mit menschlichen Überresten in heutigen Museen und Sammlungen [...]. [...]

R. Johanna Regnath, in:
„Schau-ins-Land“. Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins, 134 (2015)

19. Jahrhundert, Alexander Ecker, Carl Friedrich Rosset, Carl Wilhelm Rosset, Ethnologisches Netzwerk, Heinrich Leopold Fischer, Kolonialgeschichte, Laiensammler, Provenienzforschung, Sammlungsgeschichte, Universität Freiburg, Völkerkundemuseum, Wissenschaftsgeschichte

Zum Inhalt

„Bei ethnographisch-prähistorischen Museen hängt gar vieles von den Benutzung des richtigen Augenblickes, vom glücklichen Zufall, vom Kennerblick des Direktors ab.“ So schrieb der Museumsdirektor Heinrich Leopold Fischer 1885, ein Jahrzehnt nach der Gründung des „Museums für Urgeschichte und Ethnographie“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Doch wie kamen die ethnographischen Objekte in die Universitätssammlung?

Für die fortschreitende Spezialisierung des Fachgebietes der Völkerkunde spielten ethnographische Forschungsreisen eine wichtige Rolle. Anfangs waren es nicht nur Gelehrte, sondern vielfach Laien, die von ihren Reisen in ferne Erdteilen Ethnographica mitbrachten. Der Austausch zwischen Wissenschaftlern und Laien verlief über das sogenannte „ethnologische Netzwerk“, das all jene verband, die an der außereuropäischen Welt interessiert waren.

Im vorliegenden Buch werden die Brüder Carl Friedrich (1842-1878) und Carl Wilhelm (1851-1923) Rosset vorgestellt. Die Söhne des Freiburger Kolonialwarenhändlers und Stadtrates Dominik Rosset und Verwandten des Freiburger Geologieprofessors Heinrich Leopold Fischer (1817-1886) zog es hinaus in die Welt. Carl Friedrich Rosset wanderte als weitgereister Kaufmann 1869 nach Kairo aus, bald darauf stand er im diplomatischen Dienst, vertrat als Vizekonsul die Interessen des deutschen Kaiserreichs (1875) und des britischen Empire (1877). Schließlich ernannte Ihn Charles Gordon 1878 zum Generalgouverneur Darfurs. Sein Bruder Carl Wilhelm Rosset wurde Privatgelehrter und freier Forschungsreisender und nahm zwischen 1880 und 1890 an drei Expeditionen nach Afrika und Asien teil. Im Dienst der Wissenschaft schickten beide „Laiensammler“ 660 außereuropäische Kulturobjekte und menschliche Überreste nach Freiburg.

Die Völkerkunde war in den Anfangsjahren noch offen für die Mitarbeit von Nicht-Wissenschaftlern, ja sogar angewiesen darauf, dass „Laien“ die ethnographische Sammlungen mit Objekten füllten, die dann von den Fachwissenschaftlern ausgewertet wurden. Wie groß das Interesse der Einwohnerschaft Freiburgs an exotischen Ländern und Völkern war, zeigt, dass zunächst die Stadt, später auch die Universität konkurrierende Sammlungen aufbauten und viele Bürger ihre von Reisen mitgebrachte Schätze diesen Einrichtungen stifteten.

Anhand aufwändiger Quellenarbeit entsteht ein lebendiges Bild dieser abenteuerlichen Anfangszeit der Völkerkunde und der völkerkundlichen Sammlungen in Freiburg.



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