Forschungsarbeit: Postkoloniale Erinnerungskultur in der zeitgenössischen deutschsprachigen Afrika-Literatur

Postkoloniale Erinnerungskultur in der zeitgenössischen deutschsprachigen Afrika-Literatur

Studien zur Germanistik, Band 48

Hamburg 2012, 198 Seiten
ISBN 978-3-8300-6810-5

Rezension

[...] Ein Afrikaner fragt danach, wie koloniale Schuld von Europäern literarisch verarbeitet wird. Er hält der deutschsprachigen Literatur den Spiegel vor. Souverän überblickt er ganze Bibliotheken von Quellen und älterer wie neuester Fachliteratur. Der Schluss ist unerwartet versöhnlich [...]

[...] die Ästhetisierung, die in den Romanen erfolgt, zeigt (neo)-kolonialistische Selbstherrlichkeit, entwertet andere Ethnien und verschleiert Unrecht, so der eindeutige Befund dieser brillanten Studie. Durch den kundigen „Blick von außen“ lernen die zumeist weißen Lesenden: Historische Phänomene können nur multidimensional unter Beteiligung aller betroffenen Menschen behandelt werden. Gerade weil dies immer noch so selten geschieht, ist dieses Buch besonders wertvoll.

Bea Lundt, in:
Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, ZfG 11/2014

Afrika-Literatur, Entdeckungsreise, Erinnerungskultur, Genozid, Germanistik, Postkolonialismus, Völkerschau, Weltkrieg

Zum Inhalt

Ist die postkoloniale Erinnerungskultur das Waisenkind des kollektiven Erinnerns in Europa? Diese Studie versteht sich als eine gegenwärtige Bestandsaufnahme der postkolonialen Erinnerungskultur in der zeitgenössischen deutschsprachigen Afrika-Literatur. Seit der Jahrtausendwende zirkuliert eine literarische Inszenierung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, welche die europäische Kulturgeschichte im Kontext des (Post-) Kolonialismus thematisiert. Schwerpunkthemen wie Entdeckungs- und Forschungsreisen, Völkermord im Zeitalter des Imperialismus, Völkerschau, Weltkriege und Genozid der nachkolonialen Zeit tragen dazu bei, postkoloniale Kulturtheorien (kulturelle Differenz, Grenzüberschreitung, Essentialisierung, Kulturrelativität, Universalismus usw.) zu erproben. Gleichzeitig nehmen die Autoren Position in den kulturwissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Diskussionen: Entwicklungszusammenarbeit, Schuld und Entschädigung usw. Insgesamt entsteht allmählich ein neuformatiertes postkoloniales Kollektivgedächtnis, das nicht nur revisionistische Tendenzen der behandelten Texte zeigt, sondern auch eine Erinnerungskultur, die den Zwiespalt der Autoren zwischen „figurativer Strategie“ und „Einfühlungsästhetik“ verrät.

Zum Autor

Constant KPAO SARE, Dr. phil.

Studium der deutschen Literatur und Sprache an der „Université Nationale du Bénin“, Universität des Saarlandes (Deutschland) und „Université Paul-Verlaine“ in Metz (Frankreich) sowie der Verwaltungswissenschaften an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer.
Dozent für deutsche Literatur und Kultur am „Département d’Etudes Germaniques“ (DEG) an der Universität Abomey-Calavi in Benin.
Arbeits- und Forschungsgebiete: Deutsche Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts sowie Gegenwartsliteratur, Migration und Identität, Postkoloniale Erinnerungskultur.



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