Doktorarbeit: Das Verbraucherleitbild im Lichte besonderer Produktgruppen

Das Verbraucherleitbild im Lichte besonderer Produktgruppen

Dargestellt am Beispiel vom Handel mit Arzneimitteln, Lebensmitteln und Pflanzenschutzmitteln

Studien zum Gewerblichen Rechtsschutz und zum Urheberrecht, Band 87

Hamburg 2012, 272 Seiten
ISBN 978-3-8300-6171-7

Rezension

Dieses Buch stellt eine ausführliche Abhandlung des Begriffes Verbraucherleitbild - nicht nur im gesundheitlichen Sinne - dar. Zunächst werden die Unterschiede im Verbraucherleitbild der europäischen und deutschen Rechtsprechung sowie deren Entwicklung erläutert. An beispielhaften Entscheidungen des Europäischen bzw. Bundes- Gerichtshofes wird der Einfluss des jeweiligen Verbraucherleitbildes auf die gerichtlichen Entscheidungen erläutert. Bereits hier wird dem Leser klar, dass es nicht den einen, durchschnittlichen Verbraucher gibt Dies wird noch deutlicher bei der anschließenden Darstellung der unterschiedlichen Verbraucherleitbilder, die in den Bereichen Lebensmittel, Arzneimittel und Pflanzenschutzmittel zur Anwendung kommen. Das Buch ist für Nicht-Juristen nicht immer ganz einfach zu lesen, eröffnet allerdings neue Einsichten in die Entscheidungsgrundlagen der Gerichte im Bereich des Verbraucherschutzes. Vielleicht trägt es auch dazu bei, die eigene Argumentation im Sinne des Verbraucherschutzes zielführender zu gestalten.

Laudien Anja, in:
Rundschau für Fleischhygiene und Lebensmittelüberwachung, RFL Juli 2012

Apothekenverkaufspreis, Arzneimittel, Etikettierung, Health Claims, Information first, Kennzeichnung, Lebensmittel, Packungsbeilage, Pflichtangaben, Rechtswissenschaft, Reinheitsgebot, Verbraucher, Verbraucherleitbild, Verbraucherschutz

Zum Inhalt

Das Verbraucherleitbild hat sich weiterentwickelt, weg vom flüchtigen und unkritischen, hin zu einem informierten, aufmerksamen und verständigen Verbraucher. Mit dem Leitbild hat sich auch der Grad der Schutzbedürftigkeit geändert. Denn ein flüchtiger und unkritischer Verbraucher erfordert ein hohes, der informierte und kritische Verbraucher hingegen ein vermindertes Schutzbedürfnis. Der Grad der Schutzbedürftigkeit hat Auswirkungen auf die Möglichkeiten, informierend zu werben.

Die Untersuchung wirft die Frage auf, ob das neue Verbraucherleitbild den Arzneimitteln, Lebens- und Pflanzenschutzmitteln gerecht wird. Bei diesen besteht als Vertrauens- bzw. Erfahrungsgut eine hohe Schutz- und Informationsbedürftigkeit. So zeigt sich im Alltag, dass der Verbraucher beim Erfahrungsgut Lebensmittel eher flüchtig agiert. Es wird aber erwartet, dass er sich informiert, die Zutatenliste aufmerksam und kritisch liest, Testberichte zur Entscheidungsfindung heranzieht, öffentliche Register nutzt. Bei Vertrauensgütern tritt hinzu, dass der Verbraucher in besonderem Maße auf Dritte angewiesen ist. Dies gilt vor allem im sensiblen Bereich der Arzneimittel. Der Verbraucher muss darauf vertrauen, dass der Arzt oder Apotheker ihm alle erforderlichen und notwendigen Informationen gegeben hat. Aus diesen Informationen soll der durchschnittliche Verbraucher eine Verständigkeit entwickeln. Ob dies vom Durchschnittsverbraucher in kognitiver Hinsicht erwartet werden kann, ist zu diskutieren. Die dem Verbraucher auferlegte Informationspflicht erlangt im Bereich der Arzneimittel bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln besondere Bedeutung. Denn hier ist Öffentlichkeitswerbung verboten. Anbieter dürfen Werbung nur an Fachkreise richten. In der Konsequenz gibt es keine natürliche Kommunikationsebene des Anbieters mit dem Verbraucher. Dennoch soll auch hier das Verbraucherleitbild des informierten, aufmerksamen und verständigen Verbrauchers herangezogen werden.

Geht man von ca. 490 Millionen Verbrauchern im europäischen Binnenmarkt aus, ist eine produktübergreifende Heranziehung des Verbraucherleitbildes – insbesondere für die Produkte Arzneimittel, Lebens- und Pflanzenschutzmittel – in Frage zu stellen. Dies geschieht durch diese Untersuchung.

Link der Autorin

Diekmann Rechtsanwälte

    

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