Doktorarbeit: Streitfall Richard Wagner

Streitfall Richard Wagner

Alltag und Prozess seiner Rezeption in Rostock

PERIPETEIA – Studien zu Drama und Theater, Band 2

Hamburg 2011, 332 Seiten
ISBN 978-3-8300-5739-0 (Print/eBook)

Rezension

Die ganze Fülle der Wagner-Rezeption in Rostock legt nun Steffen Prignitz in seiner ungemein materialreichen und erhellenden Studie vor [...].

[...] Prignitz hat in einer bewundernswerten Weise alles nur denkbare Material gesichtet und ausgewertet, von den Theaterspielplänen und Aufführungsstatistiken des Rostocker Theaters über die Pressebesprechungen in mehr als dreißig regionalen Zeitungen und Zeitschriften bis hin zur Wagner-Literatur, die von Autoren stammt, die in Rostock gelehrt, gelebt oder doch mit der Stadt verbunden waren [...]. Und dies alles für die Zeit des Kaiserreiches, der Weimarer Republik, des Dritten Reiches wie der sowjetisch besetzten Zone der Nachkriegszeit bzw. dann der DDR. Eine beeindruckende und für die Rezeptionsforschung in Sachen Wagner beispielhafte Arbeit, die hoffentlich dazu führt, dass ähnliche Studien zu anderen Regionen der deutschen Wagner-Pflege in Angriff genommen werden, weil dies dringende Desiderate der Wagner-Forschung sind. [...]

Udo Bermbach, in:
wagnerspectrum, 2/2011

19. Jahrhundert, Drama, Germanistik, Hermann Kretzschmar, Literaturwissenschaft, Oper, Reinhold Bechstein, Rezeptionsgeschichte, Rezeptionsprozess, Richard Wagner, Robert Nespital, Rostock, Theatergeschichte, Universität Rostock, Wolfgang Golther

Zum Inhalt

Richard Wagner hat immer wieder Anlass zu Auseinandersetzungen geliefert.

Mitte des 19. Jahrhunderts stritten sich Traditionalisten und Reformer über Wagners Qualität als Opernkomponist und als Dichter. Schließlich klassifizierte man ihn als Dramatiker. Es folgten vielfältige Untersuchungen über einzelne Bühnenwerke Wagners, über Familienangehörige, über Sprache und Musik seiner Texte, über seine Stellung in der Musik- und der Literaturgeschichte, Textausgaben, Briefsammlungen und Biographien.

Seit dem frühen 20. Jahrhundert setzte man sich mit dem Sinn und den Botschaften von Wagners Werken auseinander. Sozialdemokraten, Teile der evangelischen Kirche, Deutsch-Nationale, Völkische und Nationalsozialisten wollten ihn ebenso für sich vereinnahmen wie Tierschützer, Vegetarier und „real existierende Sozialisten“.

Steffen Prignitz stellt in seiner Untersuchung diese Vorgänge minutiös dar und entwirft vor dem Leser ein detailliertes Bild von Aufführungen, Inszenierungskonzepten und Thesen zu Wagners Werken. Und „ganz nebenbei“ arbeitet er einen Topos der Rostocker Kulturgeschichte auf: den Mythos vom „Bayreuth des Nordens“. Hunderte Aufführungen seit 1848, zahlreiche Bücher, unter ihnen Dissertationen und andere wissenschaftliche, aber auch populäre Veröffentlichungen, viele Zeitschriftenbeiträge und ungezählte Rezensionen und andere Artikel aus den Rostocker Zeitungen dienten ihm als Material.



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