Dissertation: Attac – ein Beispiel für die Globalisierung Sozialer Bewegungen?

Attac – ein Beispiel für die Globalisierung Sozialer Bewegungen?

Regensburger Studien zur Internationalen Politik, Band 13

Hamburg 2011, 368 Seiten
ISBN 978-3-8300-5590-7

Attac, Bernard Cassen, Bewegungsforschung, Bewegungsorganisation, Demonstration, Globalisierung, Globalisierungspolitik, Kollektiver Akteur, NGO, Peter Wahl, Politikwissenschaft, Politologie, Sabine Leidig, Soziale Bewegung, Soziologie, Sven Giegold

Zum Inhalt

Schnell stieg die 1998 in Frankreich gegründete Organisation Attac zu einem medialen Shooting Star auf. Sie wurde zum bedeutendsten Vertreter und Sprachrohr der globalisierungskritischen Bewegung. Über Jahre hinweg führte der kollektive Akteur Aufsehen erregende Protestveranstaltungen durch, erfreute sich großer Resonanz in der Öffentlichkeit sowie bei politischen Entscheidungsträgern, verzeichnete hohe Mitgliederzuwächse und fasste in zahlreichen Ländern Fuß. Die originell organisierte Vereinigung weckte nicht nur das Interesse von Journalisten. Auch Sozialwissenschaftler beschäftigten sich mit dem Phänomen Attac, das sich selbst als innovatives Projekt inszenierte.

Allerdings ließ die Auseinandersetzung mit dem kollektiven Akteur meist nicht nur die nötige begriffliche Präzision vermissen. Besonders problematisch ist die immer wieder bemühte Behauptung, Attac sei eine internationale Vereinigung – und damit ein Paradebeispiel für die Globalisierung Sozialer Bewegungen. Denn die wichtige Frage, auf welcher Ebene Attac zu verorten ist, wurde nie systematisch analysiert.

Christian Strobels Studie schließt diese Forschungslücke. Sie geht der Frage nach, ob es die Struktur und das Handlungsrepertoire erlauben, von Attac als einem grenzüberschreitend funktionsfähigen, mithin multinationalen Akteur zu sprechen.

Der Autor diskutiert zunächst luzide die einschlägigen Theorien der Bewegungsforschung. Deren Einteilung in zwei konkurrierende Lager (Strategy- versus Identity-) macht klar, welche Aspekte analysiert werden müssen, um Attacs Funktionslogik verstehen und die Leitfrage beantworten zu können.

Der empirische Teil bietet eine sorgfältige Analyse der Entstehung, des Aufbaus sowie des Handlungsrepertoires von Attac Frankreich, Attac Deutschland und Attac International. Untersucht werden unter anderem die Strukturen, die Human- und Finanzressourcen, die Öffentlichkeitsarbeit und der Prozess der Politikformulierung. Dazu hat der Verfasser das umfangreiche und bisher nie systematisch ausgewertete Quellenmaterial gesichtet, Attac-Veranstaltungen besucht und Interviews mit zentralen Funktionsträgern geführt.

Das Ergebnis ist überraschend: Entgegen der weit verbreiteten Ansicht ist Attac kein multinationaler Akteur. Die vorwiegend nach Strategy-Mechanismen funktionierende Vereinigung ist abhängig von nationalen Gegebenheiten und Rahmenbedingungen. Deshalb kann sie auch nicht als Beleg für die Globalisierung Sozialer Bewegungen gelten.



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