Doktorarbeit: Zum russischen Spracheinfluss in Bildung und Literatur in Livland im 19. Jahrhundert

Zum russischen Spracheinfluss in Bildung und Literatur in Livland im 19. Jahrhundert

Buchformat B5

Studien zur Slavistik, Band 26

Hamburg 2011, 338 Seiten
ISBN 978-3-8300-5583-9 (Print/eBook)

19. Jahrhundert, Baltikum, Baltische Autoren, Baltische Übersetzer, Geschichtswissenschaft, Lettland, Literaturwissenschaft, Livland, Mischsprachige Dichtung, Russifizierungspolitik, Russische Lehnwörter, Russischer Spracheinfluss, Slavische Philologie, Slavistik, Sprache und Bildungsstand, Universität Dorpat, Volkszählung 1881

Zum Inhalt

Über 200 Jahre lang stand Livland unter russischer Herrschaft. Mit der Kapitulation Rigas im Jahre 1710 – noch während des Großen Nordischen Krieges (1700–1721) – fiel Livland, das 1629 in schwedischen Besitz gelangt war, de facto an Russland.

Dank einer geschickten Verhandlungsführung war es Zar Peter I. (1682–1725) gelungen, über eine Kooperation mit den Eliten vor Ort vorzeitig einen raschen Loyalitätswechsel in Livland herbeizuführen, dies allerdings nur mit weitreichenden Zugeständnissen. So erhielten die Livländische Ritterschaft und die Stadt Riga das Recht auf Selbstverwaltung zurück, die Unabhängigkeit der lutherischen Kirche wurde garantiert und, was sich in der Folgezeit als eine besonders schwerwiegende Zusage erwies, es wurde die „Alleinherrschaft“ der deutschen Sprache als Behörden-, Geschäfts- und Unterrichtssprache festgeschrieben.

Vor allem im 19. Jahrhundert waren diese Privilegien immer wieder der Anlass für schwierige Auseinandersetzungen zwischen den livländischen Institutionen einerseits sowie der russischen Administration in Livland und der russischen Regierung andererseits, wobei es der Livländischen Ritterschaft in zähen Verhandlungen erstaunlicherweise immer wieder gelang, diese Sonderrechte im Grundsatz erfolgreich zu verteidigen.

Mit dem Regierungsantritt von Zar Alexander III. (1881–1894) trat, nicht ganz unerwartet, ein einschneidender Wandel in der Politik des Russischen Reichs gegenüber den drei baltischen Ostseeprovinzen ein, der vor allem geprägt war von der kompromisslosen Entschlossenheit des Zaren zur völligen Russifizierung dieser Gebiete.

Im Jahre 1881 – etwa zeitgleich mit dem Amtsantritt von Zar Alexander III. – fand in Livland eine Volkszählung statt, die aufgrund ihrer detaillierten Befragungsergebnisse wertvolle Erkenntnisse darüber erbrachte, in welchem Umfang die russische Sprache in den vergangenen 170 Jahren russischer Herrschaft tatsächlich in Livland Eingang gefunden hatte – vor allem auf den in dieser Arbeit näher untersuchten Gebieten des Bildungswesens und der Literatur.

Die Unabhängigkeit erlangte Livland schließlich im Jahre 1918 als Republik Lettland, die – nach einer Umstrukturierung der drei ehemaligen russischen Ostseeprovinzen – im wesentlichen aus den lettischsprachigen Gebieten Livlands sowie aus Kurland hervorgegangen war.



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