Dissertation: Bildlose Bildlichkeit – Deleuzianische Lektüren

Bildlose Bildlichkeit – Deleuzianische Lektüren

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 109

Hamburg 2010, 638 Seiten
ISBN 978-3-8300-5196-1 (Print/eBook)

Bildtheorie, Deleuzianisch, Der Bildverlust, Deutsche Philologie, Deutschsprachige Literatur, Film, Francis Bacon, Französische Philosophie, Gilles Deleuze, Literaturwissenschaft, Peter Handke, Philosophie, Postmoderne, Schrift, Sprache, Zeit

Zum Inhalt

Die Philosophie des bildlosen Denkens und Handkes Roman „Der Bildverlust“: passt das? Ja!

Gilles Deleuze, prägnanter Denker des europäischen Kulturbetriebs, stellt in „Differenz und Wiederholung“ das Postulat des bildlosen Denkens auf. Das Denken darf sich nicht auf das Bild beziehen, sondern muss voraussetzungslos zu denken beginnen. Als Konsequenz muss das Bild zuende gebracht werden, um zu einem voraussetzungslosen Denken zu gelangen. Nur dann kann es seine politische Aufgabe erfüllen. Wirklichkeit erscheint sonst immer als eine medial vermittelte und wird zu einer Wahrnehmung einer bilderfüllenden Leere.

Doch das Bild sperrt sich. In Deleuzes Arbeiten zum Bild wird deutlich, dass sich das Bild durch ein hohes Maß an Elastizität und Variabilität auszeichnet und virtuelle Kräfte enthält, die es überlebensfähig machen. So versteht die Autorin Deleuzes Arbeiten zum Bild als ein Abarbeiten und letztlich als ein Scheitern am Bild, das im Moment seines Verlöschens oder Verschiebens wieder aufersteht. Im Falle des Kino-Bildes leuchtet es in seinem unaufhörlichen (Über)angebot von aktuellen und virtuellen Bildern als Reales auf. Wie soll auf diese Weise das Bild enden? Deleuze scheitert so am Anspruch des Zuendebringens, worin philosophisches und produktives Potenzial liegt: für die Weiterführung der Philosophie als Entwicklung von Begriffen, die sich aus der Wahrnehmung speisen; für den politischen Anspruch der Philosophie; für das eigene Leben als Leben in und mit Bildern und vielleicht zukünftig jenseits von ihnen.

Dieses Leben jenseits der Bilder hat Peter Handke in seinem Roman „Der Bildverlust oder durch die Sierra de Gredos“ durchgespielt. Der bis dato von der Literaturwissenschaft wenig beachtete Text wird einer Deleuzianischen Lektüre unterzogen, die sich aus der Analyse des philosophischen Bild-Werkes von Deleuze speist. Dabei erscheint der Text selbst als ein großes Bild, zusammengesetzt aus abertausenden Kleinst-Bildern, die Handke mittels Schrift erschafft. Somit ist diese Analyse auch ein Nachdenken über das Verhältnis von Bild und Schrift, Bild und Sprache und Bild als Sprache. Hieraus ergeben sich für die Literaturwissenschaft weiterführende Fragestellungen, insbesondere bezüglich der Fruchtbarmachung des Werkes von Deleuze. Und eines ist tröstlich zu wissen: der Bildverlust ist nicht das Ende, sondern das Leben geht weiter – sowohl jenseits der Bilder als auch mit ihnen.

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