Doktorarbeit: Kunst als Sinnsuche und Sinnbildung

Kunst als Sinnsuche und Sinnbildung

Thomas Manns „Joseph und seine Brüder“ und Hermann Brochs „Der Tod des Vergil“ vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung um die Moderne seit der Frühromantik

Studien zur Germanistik, Band 35

Hamburg 2010, 482 Seiten
ISBN 978-3-8300-5173-2

Der Tod des Vergil, Frühromantik, Germanistik, Hermann Broch, Jacques Derrida, Joseph und seine Brüder, Literaturwissenschaft, Mythos, Neue Mythologie, Neuere Deutsche Literatur, Paul Ricœur, Thomas Mann

Zum Inhalt

Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts sind in Deutschland u.a. durch eine Debatte um die gesellschaftlich-kulturellen Konsequenzen der Moderne geprägt, die sich bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs fortsetzt: Ausdifferenzierung und Glaubensverlust münden in einen Mangel an Geborgenheit und Orientierung – die Sinn- und Bindungsbedürfnisse werden nicht mehr befriedigt. Die Autorin untersucht anhand zweier Romane – Thomas Manns „Joseph und seine Brüder“ und Hermann Brochs „Der Tod des Vergil“ – inwieweit sich diese Debatte auch in der Literatur dieser Zeit fortsetzt. Im Hintergrund steht also die Frage, wie literarische Texte die Fragen ihrer Zeit aufgreifen, bearbeiten, diskutieren, verändern, Antworten darauf entwickeln.

Um dies systematisch und fundiert tun zu können, wird lediglich ein thematischer Ausschnitt der Moderne-Diskussion betrachtet: Die Frage, inwieweit Kunst eine synthetische Funktion übernehmen kann – welche Rolle sie für das Verhältnis zwischen Einzelnem und Allgemeinem, Einzelnem und Gesellschaft spielt bzw. spielen könnte. Dafür ist der Lektüre der beiden Romane ein diskursgeschichtlich orientiertes Kapitel vorangestellt, das die diesen Ausschnitt der Debatte betreffenden Argumentationsmuster herausarbeitet. Innerhalb der Moderne-Diskussion die Frage nach einer synthetischen Funktion der Kunst zu untersuchen, heißt das Thema des Mythos in den Mittelpunkt zu stellen. Deshalb setzt die Auseinandersetzung mit dieser Diskussion mit der Frühromantik, ihrem Kunstverständnis und der Idee einer „Neuen Mythologie“ ein. Die hier entwickelten Argumentationsfiguren werden dann an Einzelbeispielen – Wagner, Nietzsche, Heidegger, Benjamin – bis in die 1930er Jahre hinein verfolgt. So zeichnet sich ein bei aller Komplexität der Diskussion überschaubarer Problemzusammenhang ab, auf den dann das in den Romanen entworfene Verständnis der Kunst und ihrer Funktion für Einzelnen und Gesellschaft in einer detaillierten Lektüre, die methodisch auf die Hermeneutik Paul Ricœurs und die Dekonstruktion Jacques Derridas zurückgreift, bezogen wird.



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