Dissertation: Krise und Integration der bürgerlichen Gesellschaft in Romanen von Charles Dickens

Krise und Integration der bürgerlichen Gesellschaft in Romanen von Charles Dickens

KRITIK UND REFLEXION – Interdisziplinäre Beiträge zur kritischen Gesellschaftstheorie, Band 10

Hamburg 2010, 320 Seiten
ISBN 978-3-8300-5128-2 (Print/eBook)

19. Jahrhundert, Bleak House, Charles Dickens, Dombey and Son, Entfremdung, Gesellschaftskritik, Gesellschaftswissenschaft, Individuum, Invisible Hand, Liberalismus, Little Dorrit, Max Horkheimer, Our Mutual Friend, Politikwissenschaft, Roman, Theodor W. Adorno, Verdinglichung

Zum Inhalt

Der Ausdruck Neoliberalismus impliziert eine Neuauflage. Damit stellt sich die Frage nach dem Inhalt des klassischen Liberalismus. Er hat seine Hochphase in England im 19. Jahrhundert. Allerdings zeigt er sich hier nicht als ein vernunftgeleitetes harmonisches System. Vielmehr ist die invisible hand (Adam Smith) das Organ der Liquidierung des Individuums (Theodor W. Adorno).

Dieser Zusammenhang wird anhand der Darstellung von Individuum und Gesellschaft in ausgesuchten Romanen von Charles Dickens (1812-1870) untersucht. Der Roman thematisiert bereits durch seine Form die bürgerliche Gesellschaft als Krisenzusammenhang. Er fasst das antagonistische Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in eine Handlung zusammen. Der Held des Romans wird damit zum problematischen Individuum (Georg Luk?cs).

Dies trifft auch auf Dickens‘ Romane zu. Zum einen sind in ihren Figuren und Handlungselementen vielfältige Details der gesellschaftlichen Entwicklung zu finden. Allerdings geht zum anderen die Darstellung der Gesellschaft über direkte Verweise und offensichtliche Elemente hinaus: Die ausgewählten Romane bilden die literarische Darstellung der Entwicklungsbewegung der Epoche. Dabei ist nicht nur die Darstellung des gesellschaftlichen Zusammenhangs zugleich die Darstellung seiner Auflösung. Außerdem ist die Darstellung des Hochliberalismus zugleich die Darstellung seiner Phasen von Entstehung, Festigung, Krise und Zerfall. Am Ende dieser Entwicklung stehen die Zerstörung des Individuums und eine neue Art gesellschaftlicher Integration: das stahlharte Gehäuse (Max Weber) des Imperialismus. Die Idee des Konkurrenzkampfes als Existenzbedingung des Menschen tritt die Nachfolge der liberalen Idee der vernünftigen Gesellschaft an. Galt im Liberalismus die Darstellung der Gewalt als Kritik an der Gesellschaft, wird sie nun zu ihrer Affirmation.

Inspiriert ist die Untersuchung durch die Dialektik der Aufklärung von Horkheimer und Adorno. Sie folgt dem Anliegen, durch Erinnerung an den klassischen Liberalismus zur Kritik des Neoliberalismus beizutragen.



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