Habilitation: Normative Politikwissenschaft

Normative Politikwissenschaft

Eine analytische Grundlegung

POLITICA – Schriftenreihe zur politischen Wissenschaft, Band 80

Hamburg 2010, 614 Seiten
ISBN 978-3-8300-5101-5 (Print/eBook)

Rezension

Obwohl politische Entscheidungen stets Werthaltungen einzelner Akteure implizieren, wird in der zeitgenössischen Politikwissenschaft mehrheitlich die Ansicht vertreten, normative Fragen gehörten nicht zu ihrem Gegenstand. [...] Verweigert wird [damit] [...] die Chance auf einen interdisziplinären Diskurs [...]. Vor diesem Hintergrund legt Burth seine Skizze normativer Politikwissenschaft vor, die er zunächst aus der vornehmlich angelsächsischen normativen Policy-Analyse und den metaethischen Konzepten von Habermas, Rawls und insbesondere Druwe heraus konstruiert. Nach einer umfangreichen systematisch angelegten Diskussion metaethischer Ansätze plädiert der Autor zugunsten eines komplexen und anwendungsorientierten metaethischen Kognitivismus.

Frank Schale, in:
Portal für Politikwissenschaft, 30.06.2011

Analytische Metaethik, Angewandte Ethik, Anton Leist, Habilitation, John Rawls, Jürgen Habermas, Julian Nida-Rümelin, Normative Begründung, Normative Policyanalyse, Politikwissenschaft, Politische Philosophie, Politische Theorie, Ulrich Druwe, Wissenschaftstheorie

Zum Inhalt

Die wissenschaftstheoretische Analyse normativer Begründung in der Politikwissenschaft (Politische Theorie, Politische Philosophie) ist seit langem ein gravierendes Desiderat der Forschung. Nachdem traditionelle Begründungsverfahren wie antike Ontologien, Kantianismus oder geschichtsteleologische Ansätze nicht mehr zu Verfügung stehen, fehlt eine wissenschaftssprachliche Grundlage für die Diskussion zentraler politikwissenschaftlicher Themen wie Soziale Gerechtigkeit und Politischer Legitimation. In einer sich zunehmend als empirisch-analytischer Wissenschaft begreifenden Politikwissenschaft drohen diese normativen Themen ansonsten an den Rand des Forschungsinteresses gedrängt zu werden.

Die Untersuchung rekonstruiert eingangs die Entwicklung der heutigen Politikwissenschaft zu einer behavioristisch-empirischen Sozialwissenschaft in der Tradition der Philosophie von David Hume und des Werturteilsfreiheitspostulats von Max Weber. Anschließend werden neuere Ansätze einer normativen Politikwissenschaft im Kontext der Normativen Policy-Analyse und der Politischen Philosophie (Habermas, Rawls, Druwe etc.) aufgezeigt und kritisch reflektiert. In einem weiteren Schritt wird die aktuelle Diskussion innerhalb der Analytischen Metaethik (verstanden als Wissenschaftstheorie normativer Sozialwissenschaft) rezipiert, eine eigene metaethische Position entwickelt und deren Konsequenzen für eine Normative Politikwissenschaft reflektiert. Gleiches gilt für die Angewandte Ethik als Leitbild für eine anwendungsorientierte Normative Politikwissenschaft. Als Resultat dieser interdisziplinären Überlegungen wird abschließend ein methodisches Grundkonzept Normativer Politikwissenschaft entwickelt und an Anwendungsbeispielen vorgestellt. Methodisch gesehen finden in dieser Untersuchung Verfahren der Semantischen Begriffs- und Bedeutungsanalyse und der Rationalen Rekonstruktion Verwendung.

Die interdisziplinär ausgerichtete Untersuchung ist thematisch der Wissenschaftstheorie und Methodik der Politik- und Sozialwissenschaften zuzurechnen und ist für Hochschullehrer (Politikwissenschaft, Sozialethik, Metaethik und Wissenschaftsphilosophie) und Studenten im Hauptstudium von Interesse.

Zum Autor

Dr. rer. pol. Habil. Burth, geb. 1965, Promotion und Habilitation Universität Stuttgart (1999, 2009), Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft Stuttgart (1995-2000), Lehrstuhlvertretung Professur für Politische Theorie Johannes Gutenberg-Universität Mainz (2000-2003), Dozent an der Pädagogischen Hochschule Freiburg i.B. (seit April 2010)



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