Doktorarbeit: Fähigkeitskonzepte beim selbstregulierten Lernen mit Multimedia

Fähigkeitskonzepte beim selbstregulierten Lernen mit Multimedia

Ein deutsch-französischer Vergleich

Schriften zur pädagogischen Psychologie, Band 45

Hamburg 2010, 458 Seiten
ISBN 978-3-8300-5061-2 (Print/eBook)

Akademische Selbstwirksamkeit, Fähigkeitskonzept, Leistung, Lernaktivitäten, Lernpsychologie, Motivation, Motivationspsychologie, Multimediale Lernumgebung, Pädagogik, Selbstreguliertes Lernen, Self-Efficacy, Spezifität, Variabilität

Zum Inhalt

Seit Beginn der Multimedia-Euphorie in den 1990er Jahren hat sich der Einsatz multimedialer Lernumgebungen vor allem im schulischen und universitären Kontext verstärkt durchgesetzt. Multimediale Lernum?gebungen bringen durch die multikodale bzw. multimodale Darstellungsform der Lerninhalte, durch die nicht-lineare Struktur der Lernumgebung und die Interaktivität zahlreiche Vorteile für lernende Personen mit sich. So wird es ihnen durch die Individualisierung ihres Lernprozesses beispielsweise ermöglicht, eigene Lernziele zu setzen und bevorzugte Lernstrategien bei der Informationsverarbeitung anzuwenden.

Indessen ist selbstreguliertes Lernen (SRL) in multimedialen Lernumgebungen auch mit bestimmten Risiken verbunden, wie z.B. den Phänomenen lost in hyperspace oder cognitive overload. Lernen mit Multimedia stellt auf diese Weise neuartige kognitive sowie metakognitive Anforderungen an die lernenden Personen. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass der Lernerfolg beim SRL mit Multimedia u.a. stark davon abhängt, wie gut die lernenden Personen diese kognitiven und metakognitiven Anforderungen des selbstregulierten Lernens bewältigen.

Neben kognitiven und metakognitiven Anforderungen wird in der Forschung zum SRL zunehmend auch die Bedeutung motivationaler Anforderungen betont. Das anforderungsspezifische Fähigkeitskonzept (AFK) der lernenden Person stellt für den Prozess des selbstregulierten Lernens einen bedeutsamen motivationalen Faktor dar. In Anlehnung an das Self-Efficacy-Konzept nach BANDURA (1977, 1986) beschreibt es die subjektive Einschätzung der eigenen Fähigkeiten zur erfolgreichen Bewältigung spezifischer Anforderungen.

Empirische Untersuchungen zum SRL in traditionellen Lernkontexten haben vielfach auf die Bedeutung anforderungsspezifischer Fähigkeitskonzepte im Hinblick auf das Lernverhalten und die Leistung hingewiesen. Bislang haben sich jedoch nur wenige Studien systematisch damit befasst, wie das komplexe Zusammenspiel von anforderungsspezifischen Fähigkeitskonzepten, Lernaktivitäten und der Leistung beim SRL in multimedialen Lernumgebungen beschrieben werden kann.

Vor diesem Hintergrund war es das zentrale Anliegen der Autorin, die Rolle anforderungsspezifischer Fähigkeitskonzepte beim selbstregulierten Lernen in einer multimedialen Lernumgebung zu untersuchen. Dabei interessierten insbesondere Fragen nach der Spezifität der Fähigkeitseinschätzungen und nach ihrer Variabilität während des Lernprozesses.

Die Ergebnisse basieren auf einer Studie an der Technischen Universität Dresden sowie einer französischen Replikationsstudie an der Universit? de Toulouse 2 – Le Mirail mit deutschen bzw. französischen Studenten, die über einen längeren Zeitraum in der multimedialen und interaktiven Lernumgebung Studierplatz 2000 arbeiteten. Den Studien lag ein Prätest-Posttest-Design mit integriertem Treatment zugrunde.

Konfirmatorische Faktorenanalysen haben gezeigt, dass sich die anforderungsspezifischen Fähigkeitskonzepte AFK-Wissen und AFK-Multimedia beim SRL mit Multimedia deutlich voneinander abgrenzen lassen. Multivariate Varianzanalysen mit Messwiederholungen belegten eine insgesamt starke Veränderlichkeit der Ausprägungen der Fähigkeitskonzepte während des Lernprozesses. Weiterhin deuten regressionsanalytische Ergebnisse auf eine Dominanz des skill-development-Effekts gegenüber des self-enhancement-Effekts hin. Demzufolge besitzt die Höhe der Leistung einen stärkeren Effekt auf die Ausprägung des AFK als umgekehrt.

Die Resultate verdeutlichen, dass Studenten beim SRL mit Multimedia durch das Erleben positiver Leistungserfahrungen bei der Ausprägung einer hohen Fähigkeitseinschätzung unterstützt werden sollten. Das Erleben eigener Kompetenz ist also auch beim Lernen in multimedialen Lernumgebungen der Schlüssel zum Aufbau sowie zur Aufrechterhaltung einer positiven Einschätzung der eigenen Fähigkeiten.



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