Doktorarbeit: Edouard Manets Gruppendarstellungen der 1860er-Jahre zwischen Tradition und Innovation

Edouard Manets Gruppendarstellungen der 1860er-Jahre zwischen Tradition und Innovation

Momentbilder einer modernen Gesellschaft

Mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen

Schriften zur Kunstgeschichte, Band 26

Hamburg 2009, 472 Seiten
ISBN 978-3-8300-4527-4 (Print/eBook)

19. Jahrhundert, Bildzitat, Eduard Manet, Georg Simmel, Gruppenbild, Impressionismus, Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte, Malerei, Soziologie

Zum Inhalt

Zeitlebens zog der Maler Edouard Manet die Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur der atmosphärischen Landschaftsdarstellung vor, wie sie die junge impressionistische Avantgarde praktizierte. Beginnend mit frühen Kopierversuchen im Louvre beschäftigte er sich in den 1860er-Jahren wiederholt mit dem Thema der anspruchsvollen Gruppenkomposition, so auch in einigen seiner berühmtesten Gemälde wie dem D?jeuner sur l’herbe von 1863 oder dem Balcon von 1868/69.

Dass sich dieser große Neuerer und Umstürzler ausgerechnet im Rückgriff auf Werke von Raffael, Tizian oder Goya radikal modernen Themen zuwandte, zählt zu den widersprüchlichsten Aspekten seiner Malerei. Die vielfach unternommenen Versuche, Manets Anleihen bei den Alten Meistern im Hinblick auf die Fortschrittlichkeit seines künstlerischen Ausdrucks zu bewerten, haben in der Vergangenheit zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen geführt. Mithilfe einer der Literaturwissenschaft entlehnten Methodik möchte dieses Buch Manets frappierendes Dopplungsprinzip in ein neues Licht rücken und in einem übergeordneten kulturhistorischen Kontext deuten.

Der thematische Rahmen der Gruppendarstellung ermöglicht dabei die Verbindung einer formal-ästhetischen Betrachtungsweise mit soziologischen Fragestellungen. Spiegeln der Mangel an Kommunikation und Interaktion sowie die Undurchsichtigkeit der zwischenmenschlichen Bande in Manets Bildfindungen die soziale Realität des 19. Jahrhunderts? Korreliert das emotionslos-abweisende Gesicht, das der Maler in den 1860er-Jahren zu seiner Paradeformel entwickelte, mit modernen Befindlichkeiten? Im Dialog mit den zeitdiagnostischen Schriften des Kulturphilosophen Georg Simmel gelingt es der Autorin, eine neue Lesart für einige ausgewählte Hauptwerke Manets zu entwickeln und die Konturen einer Bildlichkeit nachzuzeichnen, die tief von den Erfahrungen der Moderne durchdrungen ist.



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