Doktorarbeit: Die politischen Diskurse zu „Entnazifizierung“, „Causa Waldheim“ und „EU-Sanktionen“

Die politischen Diskurse zu „Entnazifizierung“, „Causa Waldheim“ und „EU-Sanktionen“

Opfernarrative und Geschichtsbilder in Nationalratsdebatten

Studien zur Zeitgeschichte, Band 72

Hamburg 2009, 626 Seiten
ISBN 978-3-8300-4525-0

Rezensionen

[...] Insgesamt liegt mit der Arbeit Göllners eine umfangreiche und äußerst detaillierte Analyse der stenographischen Protokolle des Nationalrates im Umfeld der drei gewählten Debatten vor. Auch [...] führen sein Ansatz und seine Quellenwahl ohne Zweifel zu neuen Perspektiven bzw. unterstreichen frühere Annahmen. Göllners methodischer Ansatz, der quantitatives Erfassen von Argumentationslinien mit qualitativer Analyse exemplarischer Debattenbeiträge kombiniert ist sehr schlüssig und führt zu nachvollziehbaren und verständlichen Ergebnissen. [...]

Peter Larndorfer, Wien, in:
H-Soz-u-Kult, 9.4.2010

[...] Die öffentliche Meinung in Österreich sei in der Nachkriegsphase lange Zeit vom Opfermythos bestimmt gewesen, das Land habe sich als Opfer einer unbeeinflussbaren Entwicklung gesehen. Wie sich diese im Laufe der Zeit verändert hat, zeigt der Autor mithilfe einer Analyse von stenografischen Protokollen der Nationalratsdebatten. Die Waldheim-Debatte könne, so der Autor, als Beginn der Erosion der Opferthese in Österreich angesehen werden. [...]

Sabine Steppat, in:
Portal für Politikwissenschaft, 16.03.2010

Aufarbeitung, Causa Waldheim, Diskursanalyse, Entnazifizierung, Erinnerung, Gedächtnisgeschichte, Geschichtswissenschaft, Kurt Waldheim, Nachkriegsnarrative, Nationale Identität, Österreich, Opferthese, Vergangenheitsbewältigung, Vergangenheitspolitik, Wiedergutmachung, Zeitgeschichte, Zweite Republik

Zum Inhalt

Spätestens seit den 1980er Jahren ist die Frage des Umganges der Zweiten Republik Österreich mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit das zentrale Thema der österreichischen Zeitgeschichteforschung. Im Mittelpunkt der vielfältigen Untersuchungen zu Aspekten der konkreten „Aufarbeitung“ im Rahmen von „Wiedergutmachung“ und Restitution, zu Fragen des „österreichischen Gedächtnisses“ und der (spezifischen oder unspezifischen) „Verdrängung“ von Mitverantwortung steht dabei die so genannte Opferthese. Als „Gründungsmythos“ der Zweiten Republik beeinflusst diese in vielfältiger Weise Argumentationsstrategien im politischen Diskurs Österreichs. In der Studie, gefördert durch ein Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, wird anhand dreier Diskursszenarien die Etablierung, Funktionalisierung und Aktualisierung von mit der Opferthese verbundenen Narrativen in der politischen Auseinandersetzung untersucht. In Verbindung einer, die kommunizierten Inhalte und Argumentationsgewichtungen sichtbar machenden, quantifizierenden Analyse und einer exemplarischer Darstellung der den Diskursverlauf prägenden Nationalratsdebatten, werden Veränderungen in der politischen Argumentation und in der Instrumentalisierung von Geschichtsnarrativen im Längsschnitt offen gelegt. Abweichungen vom Mainstream, unterschiedliche Schwerpunktsetzungen, sowie aufkommende Gegenerzählungen konnten sichtbar gemacht werden. Zudem rückte die Rolle der Geschichtsnarrative abseits der Gedenktagsrhetorik ins Blickfeld. So konnten etwa im Entnazifizierungsdiskurs jene Strategieänderungen aufgezeigt werden, die mittels Diskreditierung der Gesetzgebung den Opferbegriff auf die ehemaligen Nationalsozialisten ausweiteten und diese dadurch in das integrativ wirkende, hegemoniale Narrativ des „Opfermythos“ einbezogen.

Ein Anliegen des Verfassers besteht auch darin, den exemplarischen Teil der Analyse in Form einer umfassenden Besprechung entscheidender Nationalratsdebatten durchzuführen, um die in den Wortmeldungen verfolgte Argumentation im Gesamtzusammenhang der Rede und der jeweiligen Debatte betrachten zu können.

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