Doktorarbeit: Sprechen und Schweigen – Aushandlungsstrategien des ‚Sich Kümmerns‘ um alte Familienmitglieder

Sprechen und Schweigen – Aushandlungsstrategien des ‚Sich Kümmerns‘ um alte Familienmitglieder

Studien zur Familienforschung, Band 24

Hamburg 2009, 190 Seiten
ISBN 978-3-8300-4497-0

Rezension

[...] Die Autorin erklärt das Anliegen des Buches sehr gut und sorgfältig. Dies und die konsequente und logische Gliederung helfen dem Leser, der Autorin im weiteren Verlauf Schritt für Schritt zu folgen. [...] Ihr ganz besonderes Anliegen, zu klären, dass in der qualitativen Sozialforschung literarische Texte einbezogen werden können, verfolgt sie sehr engagiert und fundiert auf den Grundlegungen der qualitativen Sozialforschung. Auch in der Sprache ist sie überzeugend, und manchmal entsteht beim Lesen sogar der Eindruck, dass die Autorin im Laufe ihrer Arbeit mit literarischen Quellen von einer regelrechten Freude am Spiel mit der Sprache erfasst worden ist. [...] Das Werk ist geradezu ein Lehrbeispiel von qualitativer Forschung nach dem Ansatz der Grounded Theory, vor allem weil die Forscherin immer wieder ihr Vorgehen reflektiert. Deshalb ist die Lektüre des ganzen Buches vor allem Lesern zu empfehlen, die sich für Methoden der qualitativen Sozialforschung interessieren, also Studierenden, Lehrenden und Forschenden. [...]

Jens-Martin Roser, in:
socialnet Rezensionen, 18.11.2009

Alternsforschung, Daten-Triangulation, Familienkommunikation, Fiktionalität, Grounded Theory, Intergenerationale Beziehungen, Literary Gerontology, Narrativität, Pflegebedürftigkeit im Alter, Psychologie, Qualitative Psychologie, Selbstreflexivität in der Forschung, Textualität

Zum Inhalt

Was passiert mit den alten Eltern, wenn diese einmal nicht mehr für sich selber sorgen können? Wer in der Familie kann sich kümmern? Wer will sich kümmern? Wie kann und soll das Sich Kümmern aussehen? – Das Ansprechen solcher Fragen fällt Betroffenen häufig schwer. Es handelt sich eher um ein unangenehmes Thema, das man bemüht ist zu meiden. Hinzu kommt die Ungewissheit, dass letztendlich Auftreten, Zeitpunkt, Ausmaß und Art einer möglichen Kümmerbedürftigkeit nicht vorhersehbar sind. Dennoch schaffen Familien es in aller Regel, mit oder ohne Worte ein für sie eindeutiges Kümmerarrangement herzustellen. Auch im zeitlichen Vorfeld herrschen oft erstaunlich klare Vorstellungen darüber, wie es einmal mit den alten Eltern gemacht werden wird.

Die Untersuchung nimmt die Kommunikationswege, über die Familien das Sich Kümmern um alte Angehörige aushandeln, in den Blick. Auf der Basis einer qualitativen psychologisch-sozialwissenschaftlichen Analyse von Interviews mit Familienangehörigen einerseits und literarisch-fiktionalen Texten andererseits stellt die Autorin eine Systematik des ‘Sprechens und Schweigens‘ vor. Sie entfaltet einen umfangreichen Theorieentwurf, in dessen Zentrum verschiedene Strategien ausdifferenziert werden, wie im Rahmen einer familiären Kümmeraushandlung gesprochen und geschwiegen wird. Hierbei finden sowohl Einflussfaktoren als auch Konsequenzen und Kontextbedingungen Berücksichtigung.

Die vorgeschlagenen Konzeptualisierungen ermöglichen in wissenschaftlichen, praktisch-professionellen sowie familiär-persönlichen Kontexten neue Wahrnehmungs- und Verstehensmöglichkeiten familiärer Kommunikationswege des Sich Kümmerns im Alter.



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