Dissertation: Demokratisierung und Ethnizität: Ein Widerspruch?

Demokratisierung und Ethnizität: Ein Widerspruch?

Gewaltsame Konflikte und ihre friedliche Regelung in politischen Wandlungsprozessen: Beispiele Côte d‘Ivoire und Mali

Demokratie und Demokratisierungsprozesse, Band 7

Hamburg 2009, 352 Seiten
ISBN 978-3-8300-4430-7 (Print/eBook)

Rezension

[...] In einer vergleichenden Länderstudie belegt Kétouré, dass die Verläufe von Demokratisierungsprozessen stark vom innenpolitischen Kontext der einzelnen afrikanischen Staaten abhängig sind. [...] Kétouré zeigt die den Demokratisierungsprozess erschwerenden oder behindernden Faktoren auf und analysiert die soziokulturellen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Demokratisierung in Mali und der Côte d’Ivoire. Darüber hinaus fragt er nach der Exklusion beziehungsweise Marginalisierung gesellschaftlicher Gegner oder politischer Gruppen in diesem Prozess. [...]

Marinke Gindullis, in:
Portal für Politikwissenschaft, 30.09.2009

Côte-d‘Ivoire, Demokratie, Demokratisierungsprozess, Elfenbeinküste, Ethnizität, Exklusion, Friedliche Konfliktregelung, Gewaltsamer Konflikt, Krieg, Mali, Nationalismus, Palaverdemokratie, Politikwissenschaft, Politisierung von Ethnizität, Politisierung von Marginalisierung, Tuareg

Zum Inhalt

Dieses Buch befasst sich mit dem weit verbreiteten Phänomen der Ethnizität im postkolonialen Afrika und dessen Auswirkungen auf den politischen Prozess. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob unterschiedliche ethnische Gruppen in einem Vielvölkerstaat friedlich miteinander koexistieren können. Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit sich eine Demokratie konsolidieren kann und nicht die gravierenden Mängel aufweist, wie sie in vielen afrikanischen Staaten zu beobachten sind? Die vergleichende Länderstudie zeigt eindrücklich, wie Demokratisierungsprozesse in zwei westafrikanischen Ländern trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen ganz unterschiedliche Verläufe nehmen können. Der Autor hat mit Mali ein westafrikanisches Land ausgewählt, das kaum über natürliche Ressourcen verfügt und in dem ethnische Heterogenität das politische Wirken bestimmt. Nach dem Ende der Militärdiktatur waren es vor allem zivilgesellschaftliche Akteure, die eine Demokratisierung „von unten“ initiierten. Nach zähen Verhandlungen mit den ethnischen Gruppen, der Armee und den politischen Eliten konnten sich demokratische Institutionen mit freien Wahlen und politischer Partizipation etablieren.

Ganz anders verhält sich die Situation in Côte d‘Ivoire. Seit Anfang der neunziger Jahre sieht sich das Land mit geradezu selbstzerstörerischen Macht- und Verteilungskonflikten konfrontiert. Der politische Niedergang ist nicht etwa eine zwangsläufige Folge ethnischer Spannungen und Gewalt, sondern ein komplexes Ergebnis mehrerer Faktoren: Die Wirtschaftskrise, die Ethnisierung der Armee, das fremdenfeindliche Konzept der „ivoirité“ und nicht zuletzt der Machtkampf zwischen den politischen Eliten im Rahmen von Parlaments- und Präsidialwahlen haben Côte d‘Ivoire an den Rand des Abgrunds geführt. Das einstige Musterland für wirtschaftliche und politische Stabilität leidet heute unter den Folgen eines Bürgerkriegs und ist von einem Staatszerfall bedroht.



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